Es war ein guter Tag, an dem Esther Schneider den Text über ihre jetzige Situation schrieb. Doch nicht jeden Tag meistert sie mit so viel Humor. «Manchmal sehe ich einfach keinen Sinn mehr», sagt die 24-Jährige. Doch sie lacht, wenn sie von ihrem Tagesrhythmus im familiären Haushalt erzählt, und ist trotz allem optimistisch. Sie ist seit mittlerweile fünf Monaten arbeitslos. Ihre Ausbildung als Übersetzerin für Deutsch, Französisch und Englisch hat Esther Schneider im Herbst 2003 abgeschlossen; seither konnte sie lediglich für drei Monate eine Lehrervertretung an einer Kantonsschule übernehmen. Mindestens 50 Bewerbungen hat sie geschrieben und stets nur Absagen bekommen.

Mit ihrem Text zum Thema Jugendarbeitslosigkeit hat Esther Schneider die «Goldene Feder» gewonnen, den Schweizer Jugendpressepreis. Er wurde am 9. Mai an der Buchmesse Basel vom Beobachter und der Schweizerischen Vereinigung der Jugendpresse verliehen. Der Preis umfasst eine Schnuppertour durch die Schweizer Medienlandschaft. Die Gewinnerin wird ein drei- bis vierwöchiges Praktikum auf verschiedenen Redaktionen absolvieren, unter anderem beim Beobachter. Ein Einblick in den Journalismus, auf den sie sich freut: «Ich arbeite gerne mit Sprache und Ausdruck.» Nach dem Praktikum möchte sie ein Sprachstudium an der Uni Basel beginnen. Sie will Lehrerin werden. Bis dahin wohnt sie bei ihren Eltern – als «privilegierte Arbeitslose», wie sie sagt.

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