Das Stück Weltliteratur startete unscheinbar. Unterbrochen durch Werbung für Ovomaltine, Knorr-Suppen und Haferflöckli publizierte der Beobachter im Dezember 1950 das erste Kapitel des Krimis «Der Richter und sein Henker». In der kurzen Einführung heisst es: «Der Beobachter hat dem jungen Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt, dessen Stücke in Zürich und Basel starke Beachtung gefunden haben und der zu grossen Hoffnungen berechtigt, den Auftrag gegeben, einen schweizerischen Kriminalroman zu schreiben.»

Beobachter-Herausgeber Max Ras förderte das Talent mit 3000 Franken. Als Gegenleistung wünschte er einen Kriminalroman. Denn «einen solchen würde unsere Leserschaft goutieren». In der Tat. Die Geschichte mit dem knorrigen Berner Kommissär Bärlach hatte so viel Erfolg, dass der Beobachter wenige Monate später eine Folgegeschichte in Auftrag gab – es entstand der Bärlach-Zweitling «Der Verdacht».

«Ich brauchte Geld und war froh um den Auftrag», sagte der Autor später. Einfach war die Zusammenarbeit aber nicht; Dürrenmatt hatte eine chaotische Seite. Kulturredaktor Hermann Schneider soll mehr als einmal an den Bielersee gepilgert sein, um die weiteren Kapitel beim Autor abzuholen. Es scheint aber, dass die Arbeit dem 30-jährigen Talent gefallen hat. Lustvoll schrieb Dürrenmatt 1951 im Begleitbrief zu einem Manuskript: «Der im neuen Kapitel eingeführte jämmerliche Kerl von einem Schriftsteller wird ebenso jämmerlich ums Leben kommen.»

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