«Beobachter probt den Aufstand», «Beobachter-Belegschaft droht mit Massenkündigung», «Beobachter-Team will zu Ringier»: Wir haben, so verraten die Presseschlagzeilen, äusserst ereignisreiche Tage hinter uns. Es geht um nichts mehr und nichts weniger als die Zukunft unserer Institution. Soll der Beobachter zum Spielball anonymer Finanzkreise werden? Darf man seine Glaubwürdigkeit und seine Unabhängigkeit kurzfristigen Geldinteressen opfern?

Nein! Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Beobachters unterzeichneten deshalb eine Erklärung. Man sei, so heisst es da, «zum Schluss gelangt, dass die Unabhängigkeit unserer Institution, ihre Glaubwürdigkeit und mithin auch ihre wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft in einer von bisher unbekannten Investoren beherrschten Jean Frey AG gefährdet sind». Und weiter: «Wir erachten eine Lösung, wie sie sich mit dem Verlagshaus Ringier abgezeichnet hat und wie sie offenbar nach wie vor möglich wäre, als für den Beobachter eindeutig besseren Weg.»

Rückblende. Noch Ende des vergangenen Jahres wollte die Basler Mediengruppe ihre Tochtergesellschaft Jean Frey AG (mit Beobachter, Bilanz, Weltwoche, TR7) an Ringier abtreten. Der damalige Beobachter-Verleger Matthias Hagemann («Basler Zeitung») sah darin «die für den Beobachter beste Lösung». Fünf Wochen später war plötzlich alles ganz anders: Eine Investmentbank kaufte den Beobachter-Verlag für eine Reihe unbekannter Investoren. «Ein unhaltbarer Zustand», erkannten Redaktion und Chefredaktion des Beobachters und versprachen der Leserschaft: «Wir werden in unserem Kampf für die Beobachter-Ideale nach keiner Pfeife tanzen».

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Die konsequente Haltung des Beobachter-Teams hat landesweit grosse Beachtung und viel Respekt gefunden. «Zu Institutionen, die sich bewährt haben, muss man Sorge tragen», schrieb etwa die «Mittelland-Zeitung». Nichts schade dem Beobachter mehr als «nur schon die blosse Vermutung, er könnte Eigentum eines Verlags werden, dessen Aktionäre sich vor allem um die Vermehrung ihrer Börseneinkünfte kümmerten».

Noch deutlicher äusserten sich fünf ehemalige Beobachter-Redaktionsmitglieder und Ex-Chefredaktoren. Was hier geschehe, stelle einen «Tiefpunkt in der Geschichte des schweizerischen Medienwesens dar», schrieben die Beobachter-Legenden Hans Caprez, Emil Deutsch, Lotti Hähnle, Josef Rennhard sowie Peter Rippmann und bekundeten öffentlich ihre Solidarität: «Zu Recht kämpft das Beobachter-Team für die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit dieser einmaligen Institution.»

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Das sehen die neuen Entscheidungsträger und derzeitigen Besitzer der Jean Frey AG anders. Sie teilen mit, es werde mit keinem Verlagshaus über einen isolierten Verkauf des Beobachters verhandelt. Das Beobachter-Team nimmt das zur Kenntnis.