«Drei Übel lasten auf dem Dasein der Menschen», schreibt der deutsche Soziologe Wolfgang Sofsky in «Das Prinzip Sicherheit». Katastrophen würden unsere Welt zerstören, Gefahren unsere Zukunft überschatten, und Risiken seien der Preis unseres Handelns. In der Folge strebt der Mensch ständig nach mehr Sicherheit. Seit wir die Erde ­bevölkern, sind wir damit beschäftigt, uns in Sicherheit zu bringen – vor Raubtieren, Feinden, Kälte, Hitze, Feuersbrünsten und Überschwemmungen. Vor wilden Tieren braucht sich heute niemand mehr zu fürchten, und gegen die meisten Risiken können wir uns versichern lassen. Die Angst jedoch ist geblieben. «Sicherheit ist ein relatives Gefühl», sagt der Basler Soziologe Ueli Mäder (siehe Artikel zum Thema: «Risiken vergrössern den Erfahrungsreichtum»). Und: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Die Frage muss daher lauten: Wie gehen wir mit Unsicherheiten, mit Gefahren und ­Risiken um?

In diesem Beobachter-Extra gehen wir der Frage nach der Sicherheit bei der Arbeit nach. Arbeitsplätze sind oft gefährliche Orte: Auf Baustellen, bei Forstarbeiten und in Produktionsbetrieben lauern nicht selten tödliche Gefahren. Rund 250' 000 Berufsunfälle und berufsbedingte Krankheiten werden jährlich registriert; 1400 Beschäftigte werden jedes Jahr invalid, 111 Menschen verloren 2007 bei der ­Arbeit ihr Leben.

Damit es nicht so weit kommt, gilt es, Gefahren frühzeitig zu erkennen (Stichwort Prävention) und Risiken zu vermeiden, sprich: erst gar nicht einzugehen. Gefahren ist man ausgesetzt, ­Risiken aber hängen eng mit unserem Verhalten zusammen. Wer es darauf ankommen lässt, fordert die Gefahr heraus – und hofft auf Glück. Eine verhängnisvolle ­Strategie, gerade in der Arbeitswelt. Denn wer Risiken eingeht, gefährdet nicht nur sich selber, sondern auch seine Arbeitskolleginnen und -kollegen. Die einzig richtige Strategie bei Risiken ist: ihnen vorzubeugen.

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