Wie immer in solchen Fällen sollen Floskeln die wirklichen Hintergründe verschleiern. Wegen «unterschiedlicher Auffassungen» bezüglich der Strategie hat der Stiftungsrat die Max-Havelaar-Chefin Paola Ghillani Knall auf Fall entlassen.

Strategische Unterschiede? Alle Beteiligten wollen, dass das Max-Havelaar-Label, das in der Schweiz 85 Prozent der Bevölkerung kennen, expandiert. Unter Ghillani verfünffachte es seinen jährlichen Umsatz auf 210 Millionen Franken. Das soll so bleiben. «Der Stiftungsrat hat ein klares Bekenntnis zum Wachstum abgegeben», sagt Stiftungsratspräsident Tobias Meier. Allerdings dürfe man die strengen Standards von Max Havelaar dabei nicht aufweichen. Genau dies wollte aber auch die geschasste Geschäftsführerin verhindern, indem sie ein Risk-Management einführte.

Risk-Management? Max Havelaar ist ein Kind von sechs grossen Schweizer Hilfswerken. Doch dem Drittweltlädeli-Groove ist die Stiftung längst entwachsen – und zu einem Unternehmen geworden, das deren Chefin nach Managementkriterien führen wollte. Nicht allen Hilfswerkvertretern im Stiftungsrat scheint solches Denken geheuer. Dass Paola Ghillani mit dem Erfolg zum Star wurde, am WEF in Davos auftrat, zum «Global Leader of Tomorrow» gewählt wurde und gerne im Scheinwerferlicht der Medien stand, half nicht, die Wogen zu glätten. Das Fass lief wohl über, als Ghillani externes Fachwissen aus der Wirtschaft ins oberste Stiftungsgremium holen wollte.

Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft garantiert den Erfolg der Max-Havelaar-Stiftung. Die scheint vorerst zumindest leicht gestört zu sein. Coop etwa, mit 123 Millionen Franken der grösste Verkäufer von Havelaar-Produkten, vernahm die Kündigung aus den Medien: «Wir bedauern den Weggang von Paola Ghillani», sagt Mediensprecher Jörg Birnstiel, «und erwarten, dass die bisher hohe Glaubwürdigkeit erhalten bleibt.»

Quelle: Gaetan Bally