Eigentlich nichts. Sie gehen nach dem Prinzip «Versuch und Irrtum» vor. Sie sind dabei, aus den Fehlern zu lernen. Am ersten Arbeitsplatz waren Sie überfordert, also haben Sie vernünftigerweise die Konsequenzen gezogen und etwas weniger Belastendes gesucht. Jetzt scheinen Sie allerdings übers Ziel hinausgeschossen zu sein, denn Sie sind unterfordert. Der Arbeitsplatz, der von den Anforderungen her zu Ihnen passt, liegt wohl irgendwo dazwischen. Natürlich können Sie mit dem Prinzip «Versuch und Irrtum» weiterfahren und die Stelle wieder wechseln, um zu schauen, ob Sie jetzt das Richtige getroffen haben. Da dies aber je nach Branche gar nicht so einfach ist, empfiehlt es sich, eine Fachperson, eine Laufbahnberaterin, beizuziehen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auf Anhieb etwas zu Ihren Ressourcen und Neigungen Passendes finden.

Ein Gefühl des Fliessens

Ihre Erfahrung weist auf ein grundsätzliches psychologisches Gesetz hin, das auch wissenschaftlich erforscht wurde: Wenn Anforderungen und Leistungsfähigkeit zusammenpassen, fühlen wir uns wohl. Wenn zu viel von uns verlangt wird, entsteht negativer Stress, der zu Angst, Reizbarkeit und Schlafstörungen führt. Wenn die Anforderungen weit unter unseren Möglichkeiten liegen, langweilen wir uns oder werden gar apathisch.

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi nannte den ausgeglichenen Zustand «Flow». «Flow» bedeutet «Fliessen», und in der Tat sind damit nicht berauschende Gipfelerlebnisse gemeint, wie es oft falsch verstanden wird, sondern eben ein Gefühl des Fliessens, des vollen Funktionierens von Geist, Seele und Körper. In Flow-Zuständen vergessen wir uns selbst und die Umgebung und gehen ganz in der Hingabe an die Sache auf. Das kann die Arbeit sein, aber auch ein Hobby.

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Kennzeichnend ist, dass es in Flow-Momenten nicht um äussere Anreize geht, also nicht um Geld oder Sieg. Natürlich arbeiten wir auch, um Geld zu verdienen, natürlich wollen wir gewinnen, wenn wir Tennis spielen. Aber inmitten dieser Tätigkeiten gibt es Momente, in denen diese äusseren Ziele verschwinden und wir konzentriert in unserem Tun aufgehen.

Sie sollten nicht unterschätzt werden, diese Glücksmomente. Csikszentmihalyis Untersuchungen zeigen, dass sie sehr viel mehr zur allgemeinen Lebenszufriedenheit beitragen als überbordende Glücksgefühle oder lustvolle Gipfelerfahrungen.

Überraschenderweise haben Untersuchungen der Forschungsgruppe von Urs Schallberger an der Uni Zürich ergeben, dass am Arbeitsplatz häufiger Flow erlebt wird als in der Freizeit. Natürlich sind es vorübergehende Phasen, denn immer wieder wird einen etwas stören, unterbrechen und wieder herunterholen. Aber wer Tätigkeiten nachgeht, die zu ihm passen, wird immer wieder Flow erleben und dabei auftanken können. Flow erschöpft einen nämlich nicht, sondern gibt eher Energie.

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Unterforderung und Herausforderung

Die heutige Forschung unterscheidet acht Befindlichkeitszustände. So erlebt etwa der Bungeejumper einen Flow, der mit Angst und Stress vermischt ist. Ein wenig beigemischte Überforderung steigert hier offenbar den Genuss. Auch gelegentliche Unterforderung führt nicht gleich zu Langeweile und Apathie, sondern erst zu einem Gefühl von Sicherheit, Kontrolliertheit und angenehmer Entspannung. Deshalb:

  • Wählen Sie einen Beruf, der Sie fordert, aber nicht überfordert. Und steigen Sie auf der Karriereleiter nicht so weit wie möglich auf, sondern nur bis zu jener Position, die zu Ihnen passt.
  • Übernehmen Sie, wenn Sie es irgendwie steuern können, verschiedene Aufgaben mit unterschiedlich hohen Anforderungen, so dass Sie einiges mit links erledigen, Sie anderes aber herausfordert.
  • Wählen Sie in der Freizeit Tätigkeiten, wo Sie manchmal alles geben müssen, wo Sie jedoch auch immer wieder Erfolge erleben.
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Buchtipp

Mihaly Csikszentmihalyi: «Flow. Das Geheimnis des Glücks»; Verlag Klett-Cotta, 14. Auflage, 2008, 428 Seiten, CHF 45.90