1981 nahm die Schweiz den Grundsatz der Gleichbehandlung in die Verfassung auf. Damit gilt seit 34 Jahren der Grundsatz: «Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit». 1996 trat zudem das Gleichstellungsgesetz in Kraft, welches explizit die Beseitigung struktureller Benachteiligungen der Frau im Erwerbsleben festschreibt.

Noch immer tiefere Löhne für Frauen

Trotz dieser gesetzlichen Grundlagen müssen sich Frauen in der Schweiz noch immer mit tieferen Löhnen zufriedengeben. Wie viel das genau ist, bleibt umstritten, weil nicht immer nachvollziehbar ist, was miteinander verglichen worden ist. Gemäss einer Statistik des eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann verdienen Frauen im Jahr 7,7 Milliarden Franken weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen. Rund 60 Prozent des Lohnunterschiedes basieren auf erklärten Gründen. Rund 40 Prozent des Lohnunterschiedes – oder 677 Franken jeden Monat – beruhen auf diskriminierenden Faktoren.

«Dieser Betrag sinkt von Jahr zu Jahr, das ist sicher erfreulich», so Carmen Schoder, Sprecherin von Aktivistin.ch. «Die effektive Gleichstellung haben wir aber auch nach 34 Jahren nicht erreicht, das dauert schlicht zu lange.» Ein Problem: Die Gleichstellung gelte im Bewusstsein der breiten Masse als weitgehend umgesetzt, erklärt Schoder. «Daher wird kaum mehr über das Thema Lohngleichheit gesprochen.»

Hohe Hemmschwelle

Trotz der gesetzlichen Verankerung der Gleichstellung herrsche in der Schweiz seit 34 Jahren «Freiwilligkeit». Will heissen: Da die Gleichbehandlung von Mann und Frau per Zivilgesetz geregelt wird, müssen betroffene Frauen bei Ungleichbehandlung eine Klage einreichen. «Damit ist die Hemmschwelle sehr hoch», so Schoder. «Ein Prozess ist eine kostspielige Angelegenheit. Zusätzlich braucht man den Mut, gegen seinen Arbeitgeber vorzugehen.»

Eine weitere Hürde stellt die fehlende Lohntransparenz dar. Da die Löhne in der Schweiz noch immer als Tabuthema gehandelt werden, sei es schwierig, Vergleiche anzustellen und eine konkrete Ungerechtigkeit aufzudecken, kritisieren die Organisatorinnen der Protestaktion.

Öffentlichkeit schaffen

Den Aktivistinnen ist bewusst, dass die nötigen Veränderungen Zeit brauchen. Sie wollen daher in einem ersten Schritt Öffentlichkeit schaffen und den Diskurs wieder ankurbeln. Deshalb trat die Gruppe am Freitagabend in Zürich an die Öffentlichkeit: Bei der Protestaktion «Geld zurück» liessen die Aktivistinnen Papiergeld auf den Paradeplatz regnen – um den Frauen die 7,7 Milliarden Franken symbolisch zurückzuzahlen.

Über Aktivistin.ch

Aktivistin.ch ist eine Gruppe von Personen, die sich solidarisch für die politische und kulturelle Gleichstellung aller Menschen einsetzt. Die Gruppe wurde im Juni 2015 in Zürich auf eine Initiative der UNIA Zürich-Schaffhausen gegründet und hat sich dann zu einem unabhängigen Netzwerk formiert.