«Wenn am Morgen gleich fünf Absagen im Briefkasten lagen, war das ein schwarzer Tag», erinnert sich Kurt Stamm an seine einjährige Arbeitslosigkeit. «Man weiss schliesslich schon, was drinsteht, bevor man den Brief geöffnet hat.»

Per Ende April 1998 musste der damals 57-jährige Zürcher gehen, am 1. Mai hätte er sein 35-Jahr-Jubiläum bei der Gewürzhandelsfirma McCormick feiern können. Das Wort Bitterkeit kommt trotzdem nicht über seine Lippen. Die Entlassung hatte sich abgezeichnet. Seit Herbst 1996 lief eine tief greifende Restrukturierung. «Im Frühling 1997 wurde ich vom Betriebsleiter zum EDV-Beschaffungsleiter zurückgestuft. Ein halbes Jahr später kam der blaue Brief.»

Noch während der Kündigungsfrist schickte er 37 Bewerbungsschreiben ab. Ohne Erfolg. Dann kam die Arbeitslosigkeit, die Kurt Stamm mit mehreren Computerkursen zu nutzen wusste.

Enttäuschend waren die Erfahrungen mit den Temporärstellenbüros, die ihm keinen einzigen Aushilfsjob vermitteln konnten. Dabei war er durchaus zu einer Lohneinbusse bereit. «Ich suche eine Arbeit, keinen Verdienst», hatte Stamm jeweils klargestellt. Doch das Echo auf die insgesamt 166 Bewerbungen war bescheiden: Er wurde zu gerade mal zwei Vorstellungsgesprächen eingeladen. Schliesslich klappte es doch noch. Der Warenhauskonzern Epa suchte einen Betriebsleiter für das Textillogistikzentrum und war interessiert an Kurt Stamms Know-how.

Seit dem 1. Juni 1999 arbeitet Stamm bei der Epa. Seine Funktion heisst zwar noch immer Betriebsleiter, doch muss er nicht mehr die Qualität von erlesenen Gewürzen prüfen, sondern er kümmert sich um die verschiedenen Grössen und Farben von Büstenhaltern.

Kurt Stamm ist heute «total happy». «Natürlich ist es eine Umstellung, aber alles ist lernbar», bilanziert er voller Tatendrang nach den ersten paar Monaten. «Als Erstes habe ich das Lagerhaus völlig reorganisiert.»

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