«Zwischen Genialität und Wahnsinn liegt nur ein kleiner Schritt», sagt der 22-jährige Mike Pfaff. Und fügt gleich an: «Ich bin ein Beispiel für jemand, bei dem es nicht so gut läuft.» Seine Hochbegabung wurde bereits im Kindergarten festgestellt. Die permanente Unterforderung machte den Jungen aggressiv: In der Primarschule prügelte er sich mit seinen Mitschülern und ging auf seine Lehrer los.

Es begann eine Odyssee durch diverse öffentliche und private Schulen. «Ich war ein Aussenseiter und liess mich provozieren», erinnert er sich an die Zeit mit gleichaltrigen Schulkollegen. Seine Wutanfälle wurden immer stärker. Der Gipfel war endgültig erreicht, als er im Alter von elf Jahren gleich drei Klassenzimmer demolierte. Darauf blieb er erst mal ein halbes Jahr zu Hause.

Die Aggressionen verschwanden erst, als Mike Pfaff eine private Maturitätsschule für Erwachsene besuchen konnte. Unter Erwachsenen fühlte sich der Junge endlich wohl. Doch er konnte die geforderte Disziplin nicht aufbringen: Er schwänzte oft, sass lieber nächtelang vor dem Computer, statt zielgerichtet zu lernen.

Die Maturaprüfung versiebte er auch im zweiten Anlauf. Mit einer Sonderbewilligung durfte der 16-Jährige an der Fachhochschule Basel das Ingenieurstudium beginnen. Mit 20 schaffte er den Studienabschluss.

Der Sprung in die Arbeitswelt fällt dem Informatiker bis heute schwer. Erste Versuche brachten gutes Geld, scheiterten aber bereits nach ein paar Monaten: «Ich kann nicht arbeiten wie eine Ameise. Wenn ich keinen Sinn dahinter sehe oder zu viel Druck spüre, löscht es mir ab.» Momentan arbeitet Mike Pfaff nicht, und wie es beruflich dereinst weitergehen soll, steht noch in den Sternen. Er lebt von Erspartem und geniesst das Zusammensein mit neu gewonnenen Freunden: «Es geht auf und ab. Jetzt hole ich erst einmal die verpasste Pubertät nach.»

Quelle: Dan Cermak