Felix Bangerter ist tatsächlech sehr e geile Siech, ums mit Kuno Lauener zu brummeln: ein Athlet, stets braungebrannt, im Massanzug. Der Gang zügig und bestimmt, aber niemals gehetzt – als müsste er im Sitzungszimmer nebenan kurz die Welt retten, wie jeden Tag. Und immer lächelt er, als wärs ihm grad eben wieder einmal gelungen.

Bangerter auf heikle Themen anzusprechen braucht Mut. Der Mann ist
ein Sieger: Schon in der Sekundarschule gewann er jedes Jahr beim Sporttag, er war Nati-B-Handballspieler, Flügelläufer und Mannschaftskäptn; später Hauptmann bei der Gebirgsinfanterie. Und auch im zivilen Leben erklettert er die Karriereleiter wie ein Kapuzineräffchen.

«Eher wie ein Eichhörnchen», sagt er von sich. Das sei sein Lieblingstier. Weil der lateinische Name übersetzt «Der mit dem Schwanz sich Schattende» laute. Darin erkenne er sich sehr gut, hehe.

Keine Ahnung. Aber seine letzte Assistentin hatte nach der gemeinsamen Geschäftsreise jedenfalls einen üblen Sonnenbrand – und an Stellen, die üblicherweise beschattet sind, fiese kleine Fisteln.

Regeln für schwierige Gespräche gibt es ja...

«Reden wir übers Geschäft?», fragt Bangerter, als ich ihn zum Kaffee einlade. Ich nicke. So ungefähr – übers Tagesgeschäft.

Für schwierige Gespräche soll man eine angenehme Atmosphäre schaffen, habe ich gelernt. Mit was Positivem beginnen, immer Ich-Botschaften senden.

Ich finde, deine Laufbahn ist beeindruckend, sage ich also und nehme einen Schluck aus meiner Tasse. Das ist ungelogen. Der Typ hat nach mir hier angefangen, hatte ein besseres Einstiegsgehalt und glitt sofort unaufhaltsam aufwärts.

«Ja, nicht wahr? Dabei ist es nicht einfach, immer hochperformant zu bleiben», sagt er und legt noch ein paar weitere Begriffe nach, die zu neu und zu englisch sind, als dass der Duden sie schon kennen würde.

Als Studis waren wir in der gleichen WG. Mein Zimmer war etwas kleiner
und hatte ein Fenster zur Strasse; seines ging hinten raus zum Garten, hatte dafür aber einen Balkon. Irgendwie schien das damals logisch.

«Aber weisst du», sagt Bangerter, «eigentlich verdienen wir im oberen Kader gar nicht viel mehr als ihr – wir haben einfach einen viel höheren Lohn! – Buahahah! Kleiner Scherz, hehe.» Bangerter haut mir mit dem ausgestreckten Wurfarm seine Handballerhand auf die Schulter. Hehe.

Es gehe halt nicht nur um Leistung, fährt er fort, während ich mein Schlüsselbein reibe. Weiterkommen sei eine Einstellungssache, sagt er. Man müsse immer mehr wollen. Höher. Schneller. Weiter. Das sei seine Lebenseinstellung.

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Hadern bringt nichts

Das Geheimnis des Erfolgs: Vergangenes sofort hinter sich lassen und sich neuen Aufgaben stellen, gleich wieder angreifen. Immer vorwärts gehen und nie zurückschauen. Hadern bringe nichts, die Vergangenheit könne man nicht ändern.

Ist mir aufgefallen, sage ich.

«Wars das? Gern geschehen, Alter; jederzeit.» Bangerter reisst die Pausenraumtür auf und zieht davon.

Vermutlich hat Bangerter recht. Was passiert ist, sollte man hinter sich lassen. Und manche Dinge ändern sich eben nie. Es ist immer noch wie damals in der WG. Trotzdem fänd ichs anständig, er würde sich nach seinem nächsten grossen Geschäft umdrehen und die verdammte Klobürste in die Hand nehmen.