Bischof Hans Gerny staunte nicht schlecht beim Lesen seiner Post: «Sie machen Marketing im Internet – www.TREM.com sorgt dafür, dass es ankommt!» So stand es im Brief der Schaffhauser Dois Internet Services GmbH an den Oberhirten der christkatholischen Kirche der Schweiz. Für 387 Franken wollte sie der Kirche einen Eintrag im Dois-Branchenregister namens Trem verkaufen – unter anderem mit dem Argument, es biete neben «vielen Extras» eine «integrierte E-Commerce-Plattform». Ein ziemlich überflüssiges Angebot für eine nicht kommerzielle Organisation.

Nicht bei allen potenziellen Kunden verlangt Dois gleich 387 Franken. Manchmal sind es auch bloss Fr. 308.85 oder 258 Franken. Dann kommt das Schreiben als «Abo-Erneuerung» daher – auch wenn die betreffenden Unternehmen nie zuvor etwas bezahlt haben.

Unaufmerksamkeit rächt sich
Das ist nicht die einzige Ungereimtheit: Der Brief gleicht in Stil und Aufmachung den Rechnungen der Switch AG, hat aber inhaltlich überhaupt nichts mit dieser Firma zu tun. Switch ist für die offizielle Registrierung aller Schweizer Homepages verantwortlich und verlangt dafür bloss 48 Franken pro Jahr. Dois will ein Mehrfaches davon für den Eintrag in einem Register, das kaum jemand nutzt.

«Dois spekuliert darauf, dass unaufmerksame Leute die Rechnung bezahlen, ohne zu überprüfen, ob sie dazu verpflichtet sind», sagt Adrian Suter, Internetbeauftragter der Christkatholischen Kirche. Bei ihm war das Schreiben an Bischof Gerny gelandet.

Der Dois-Geschäftsführer bestreitet diesen Vorwurf. «Wir haben uns die Köpfe zerbrochen, wie wir den Unterschied deutlich machen könnten.» Mit wenig Erfolg. «Dois ist Ihre autorisierte Trem-Registrierungsstelle. Ihr obliegen Registrierung, Wartung und Pflege von Einträgen für die Schweiz», heisst es im Begleitbrief. Wer glaubt da nicht, dass es sich um eine offizielle Rechnung handelt?

«Wir machen nichts Rechtswidriges», rechtfertigt sich der Dois-Geschäftsführer. Das mag stimmen. Er bietet fürs Geld aber auch nichts wirklich Nützliches. Ein Beispiel: In seinem Internetregister kann ein Frauenfelder zwar einen Pizzakurier suchen. Trem findet aber landesweit nur gerade einen einzigen Anbieter – und zwar in Zürich.

Zudem ist das System viel komplizierter als gängige Suchmaschinen. Trem hat entsprechend wenig Besucherinnen und Besucher. Zuerst spricht der Geschäftsführer zwar von 80'000 im vergangenen Jahr; im Verlauf des Gesprächs mit dem Beobachter muss er aber einräumen, dass es nur gerade ein Bruchteil davon ist.

Die Klagen stapeln sich
Damit der Trick der Dois GmbH funktioniert, müssen die Firmen bereits einen Internetauftritt haben. Noch sind aber längst nicht alle Klein- und Mittelunternehmen (KMU) der Schweiz in der virtuellen Welt präsent. Viele Firmen versuchen, diese Marktlücke in klingende Münze umzuwandeln; gegen zwei von ihnen stapeln sich beim Beobachter die Klagen.

Zum Beispiel die Afuag in Teufen AR. Deren Vertreter habe um einen «dringenden» Termin gebeten, erinnert sich Therese Bernet, die mit ihrem Mann in Nottwil LU eine Gärtnerei betreibt. Der Afuag-Vertreter zeigte als Referenz Visitenkarten aller anderen ortsansässigen Gewerbetreibenden, die angeblich allesamt Afuag-Kunden seien. Auch ein Gartenbauunternehmen müsse heute im Internet sein; seine Firma verschaffe diesen Auftritt ausgesprochen kostengünstig, gaukelte der Vertreter den gestressten Bernets vor.

Nach gut 20 Minuten war der Vertrag unterschrieben – und Bernets um 2900 Franken ärmer. Fünf Jahre lang präsentiert sich dafür nun ihr Unternehmen mit einer biederen Homepage und ein paar mageren Zeilen mit Firmenlogo in der Afuag-Suchmaschine namens i-line. Der Eintrag wirkt ausgesprochen bescheiden; eine Fachperson braucht dafür höchstens eine halbe Stunde.

Das mag Afuag-Inhaber Dölf Früh nicht bestreiten, verweist aber auf die «enormen Kosten» für die Entwicklung der Datenbanksoftware. «Die 580 Franken pro Jahr sind lächerlich wenig», behauptet er forsch. Tatsächlich kann man bei www.i-line.ch nach Branchen und Ortschaften sortiert nach Firmen suchen, das System ist aber wenig benutzerfreundlich. Wer etwa «Gartengestaltung» statt «Gartenbau» eingibt, findet Bernets Unternehmen nicht.

«Am 8. März wird nicht nur das Produkt besser, dann beginnen wir auch mit der TV-Werbung», stellt Früh in Aussicht. Das hatten seine Vertreter jedoch schon vor einem halben Jahr versprochen. Was Bernets und die übrigen Afuag-Kunden nicht wissen: Ab 8. März sind nicht nur zahlende Firmen in der I-line-Suchmaschine auffindbar, sondern gratis und franko auch 420'000 weitere Firmen – damit die Datenbank attraktiver wird, wie der Chef erklärt. Warum soll man dann für den Eintrag noch bezahlen? «Es ist wie bei einem Telefonbuch: Wer zahlt, wird fett gedruckt.» Ein bisschen wenig für 580 Franken pro Jahr.

Fragwürdige Geschäftspraktiken
In denselben Jagdgründen fischt die GNI Global Net International AG in Zug. Sie ist grösser als die Afuag und hat einen prominent besetzten Verwaltungsrat. Der bekannte Medienrechtler Wolfgang Larese sitzt im Gremium, das von Peter Honegger präsidiert wird. Honegger ist auch Präsident des Verwaltungsrats der Kurhausgesellschaft und des Kasinos Interlaken.

Die Prominenz ändert nichts an den fragwürdigen Geschäftspraktiken von www.ch111.ch, dem Internet-Branchenregister der GNI. Regelrecht überrumpelt worden sei er, erinnert sich Jürg Steiger, Inhaber einer Elektrotechnikfirma im zürcherischen Turbenthal. Der GNI-Vertreter habe ihm das Blaue vom Himmel herunter versprochen.

Aussage gegen Aussage
Doch dem Einzelunternehmer Steiger war das Angebot mit jährlich 1500 Franken zu teuer; man einigte sich mündlich auf 900 Franken für drei Jahre. Der Haken: Im Vertrag, den Steiger sofort unterschreiben musste, waren es dann 900 Franken pro Jahr, macht also total 2700 Franken. «Ich könnte mir die Haare ausreissen», antwortet Steiger auf die Frage, warum er den Vertrag nicht genau durchgelesen habe.

GNI wiegelt ab. Sie arbeite nur mit «topseriösen» Vertretern, die auf solche Klauseln aufmerksam machen würden, kontert Robert Schmid, Delegierter des Verwaltungsrats, kritische Fragen.

Trem, ch.111 und i-line sind nur drei Beispiele – die Internet-Branchenregister boomen. Im Grunde genommen ist es derselbe Trick wie bei den Ortsplänen und den Branchenverzeichnissen. Viele Anbieter versuchen dabei den arglosen Kleinunternehmern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die versprochene grosse Werbewirkung löst sich meistens in nichts auf.

Der Zürcher Internetexperte Hans Ott spricht Klartext: «Keine Firma sollte sich auf kostenpflichtige Einträge in irgendwelche Branchenregister einlassen.» Solche Verzeichnisse seien nur dann etwas wert, wenn sie täglich von Tausenden von Surfern genutzt werden. Dafür braucht es aber millionenteure Werbung in den klassischen Medien – und genau dafür fehlt den meisten Betreibern solcher Verzeichnisse das Geld.

«Wir setzen auf Werbung in den Fachmedien und auf Messeauftritte», entgegnet Robert Schmid von GNI. Elektrotechniker Jürg Steiger und Gartenbauunternehmerin Therese Bernet haben davon nichts: Obwohl ihre Firmeneinträge seit Monaten im Internet stehen, haben sie keine einzige Rückmeldung darauf erhalten.

Er empfehle Gewerbetreibenden und Kleinunternehmern, ihre Homepage bei den gängigen grossen Suchmaschinen anzumelden, sagt Ott. Für die Schweiz sind dies www.sear.ch und www.search.ch. Dieser Eintrag ist gratis. «Bei anderen Suchmaschinen landen die Surferinnen und Surfer meist bloss zufällig; entsprechend gering ist der Nutzen für die Inserierenden. Darum Hände weg!», rät Ott.


Teurer Ausstieg
Inserateverträge sind Werkverträge. Diese lassen zwar ein Aussteigen zu, solange das Werk nicht vollendet ist, doch das hat seinen Preis. Neben den bereits aufgelaufenen Kosten kann der Anbieter nämlich eine so genannte Schadloshaltung verlangen, sprich den entgangenen Gewinn einkassieren.

Die Afuag beispielsweise verlangt 70 Prozent der gesamten Rechnungssumme, selbst wenn man bereits einen Tag nach Vertragsunterzeichnung aussteigen will. «Ich verstehe den Ärger der Kunden, aber wir nutzen den gesetzlichen Spielraum aus», meint Afuag-Chef Dölf Früh dazu.

«Das passiert uns nicht nochmals», bilanziert Gartenbauunternehmerin Therese Bernet. «Ich habe seither nie mehr einen Vertrag sofort unterschrieben, sondern lese ihn stets am Tag darauf nochmals durch.» Mit 2900 Franken war das allerdings eine teure Lehre.