Was die können, kann ich schon lange», dachte der 18-jährige Kimon Erni und schmiss die Lehre als Schriften- und Reklamegestalter, um seine eigene Beschriftungsfirma Wasserfest zu gründen. Heute ist Kimon 22 Jahre alt, und wie es ihm ergangen ist, steht auf Seite 5. Sein Weg in die Selbstständigkeit ist ungewöhnlich und nicht jedem zu empfehlen, der mit seiner Arbeit unzufrieden ist.

Missmut kann ein Antrieb sein, etwas Neues zu wagen. Die Idee, sich den eigenen Job selber zu schaffen, wenn es auf dem Arbeitsmarkt keinen passenden gibt, ist nicht abwegig. In der Schweiz werden laut Bundesamt für Statistik jährlich rund 11000 neue Unternehmen gegründet. Von Wut im Bauch und einer zündenden Geschäftsidee allein kann aber niemand leben. Nicht alle neu gegründeten Firmen können sich auf dem Markt halten. So existierten nach vier Geschäftsjahren nur noch gut die Hälfte aller 1996 und 1997 gegründeten Unternehmen.

Was braucht es, um erfolgreich eine eigene Firma führen zu können? Beat Schillig, Leiter des Instituts für Jungunternehmen in St. Gallen, warnt vor Schnellschüssen. «Das Wichtigste ist eine klare Vision. Wilde Ideen, die sich täglich verändern, sind keine gute Basis.» Was will ich auf den Markt bringen, weshalb, wer sind die Kunden, wer die Konkurrenz? Solche Fragen gelte es zu klären. «Wer sie mit einem Satz beantworten kann, ist auf einem guten Weg», so Schillig.

Austausch beim Apéro



Zudem braucht es einen Businessplan, in dem unter anderem Markteinschätzungen, Umsatz- und Absatzziele definiert und immer wieder aufs Neue überprüft werden. Das Wissen darüber, wie man einen Businessplan entwirft, kann sich jeder selber anlesen. So haben es zum Beispiel die drei Spieleentwickler der Firma Bitforge gemacht. Es gibt aber auch Kurse für Jungunternehmer. Workshops und Apéro-Anlässe, wie sie etwa von Schilligs Institut angeboten werden, haben einen positiven Zusatzeffekt: Man kann mit anderen Jungunternehmern Erfahrungen austauschen. Zahlreiche Institutionen wie Venturelab und Websites wie www.gruenden.ch, www.kmu-info.ch oder www.estarter.ch, aber auch die Wirtschaftsförderungsstellen in den Kantonen unterstützen junge Unternehmer bei Firmengründungen.

Der Verein Young Enterprise Switzerland (YES!) will den Unternehmergeist schon bei 15- bis 20-Jährigen wecken und ist an vielen Schweizer Schulen präsent. Im Rahmen von einjährigen Projekten entwerfen Schülerinnen und Schüler eine Geschäftsidee, gründen so genannte Miniunternehmungen und managen diese selbstständig. «Die Schüler wachsen dabei enorm in ihrer Persönlichkeit», erzählt Thomas Jung, Wirtschaftslehrer an der Kantonsschule Wohlen AG, die seit rund fünf Jahren regelmässig YES!-Projekte durchführt. Manchmal entstehen aus der Projektarbeit richtige Firmen, wie zum Beispiel die Primecut GmbH oder die Wettinger Pencase.

Buchtipp



Norbert Winistörfer: «Ich mache mich selbstständig – von der Geschäftsidee zur erfolgreichen Firmengründung». Das Standardwerk begleitet Jungunternehmer Schritt für Schritt. 10. Auflage, soeben erschienen, 464 Seiten, 48 Franken.