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«Wirtschaftsinformationen»Viel Geld für billige News

Ein deutscher Verlag täuscht Gewerbetreibende in der Schweiz: Wer die Faxanfrage beantwortet, geht einen Vertrag ein und kriegt hohe Rechnungen zugestellt.

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Der Titel «Wirtschaftsinformationen Kanton Graubünden» auf dem Faxschreiben konnte für Claudia Kobald nur eines bedeuten: «Dass es um etwas Offizielles geht.» Die Angestellte einer Churer Baufirma zögerte nicht, die verlangten Angaben – Firmenname, Geschäfts­führung, Anzahl Angestellte und Kontaktadressen – zu machen und unterschrieben zurückzufaxen. Als aber die Rechnung über 348 Franken eines deutschen Verlags ins Haus flatterte, merkte Kobald, dass etwas nicht stimmen konnte.

Tatsächlich hatte sie nicht wie vermutet ein paar harm­lose Firmendaten bestätigt, sondern ein Zwei-Jahres-Abo für einen E-Mail-Newsletter mit Wirtschaftsinformationen bestellt.

Urheber verspricht Besserung

Der Name «Wirtschaftsinformationen», ergänzt mit dem ­jeweiligen Kanton, täuschte schweizweit viele Gewerbetreibende. Wer hereinfällt, zahlt viel für ein lieblos zusammengeschustertes Sammelsurium allgemein zugänglicher Nachrichten – jede Gratiszeitung ­orientiert besser über Wirtschaft.

Hinter dem Ganzen steckt der Bechtel-Verlag in Berlin. Eigentümer Karl-Heinz Bechtel kann «nicht nachvollziehen», dass man sein Faxangebot mit einem offiziellen Schreiben verwechseln könnte. Auch den Vorwurf der Täuschungsabsicht weist er zurück. Dennoch verspricht er gegenüber dem Beobachter, das Faxschreiben zu überarbeiten, «so dass noch deutlicher wird, dass wir ein Verlag sind und keine offizielle Stelle».

Nicht so lange warten mögen die Kantone Luzern und Appenzell Ausserrhoden. Sie warnen Gewerbetreibende davor, die Faxschreiben zu unterschreiben. Es handle sich um einen kommerziellen Anbieter ohne jeden Bezug zu einer amtlichen Stelle. Das Beobachter-Beratungszentrum rät Betroffenen, nicht zu bezahlen, sondern per Einschreibebrief zu bestreiten, dass ein rechtsgültiger Vertrag zustandegekommen sei, weil man irregeführt worden sei.

Veröffentlicht am 06. Dezember 2011