«Prüfen Sie Ihren neuen Mitarbeiter von einer anderen, bisher unbekannten Seite.» So wirbt die Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet (D&B) per Massenmail bei Personalchefs für eine neue Dienstleistung: den sogenannten Mitarbeiter-Check.

Personalverantwortliche, die einen Bericht über einen Stellenbewerber anfordern, erhalten ein mehrseitiges Dossier. Darin aufgeführt sind Betreibungsauskünfte, Inkassofälle, der Wert des Hauses, in dem der Stellenbewerber wohnt, seine früheren Wohnadressen – sowie Namen, Alter und Geschlecht seiner Haushaltsmitglieder und Nachbarn. Die Daten stammen von Inkassobüros, dem «Handelsamtsblatt» und der Post, alles völlig legal.

Doch manchen Personalchefs geht dieser Service zu weit: «Ich empfinde den Handel mit derart privaten Informationen als abstossend», sagt ein Personalverantwortlicher, der anonym bleiben will. Eine ehemalige Personalchefin, die ebenfalls auf der Mailingliste von D&B steht, hält die Mitarbeiter-Checks für «mehr als nur fragwürdig». Denn: «Es scheint D&B egal zu sein, wie die Empfänger mit den erhaltenen Informationen umgehen.»

Die Wirtschaftsauskunftei hingegen hält die Mitarbeiterberichte für gerechtfertigt. «Steht jemand wegen Schulden unter Druck, kann er am Arbeitsplatz womöglich nicht die volle Leistung erbringen», sagt Bernhard Grisiger, Wirtschaftsanalyst bei D&B. «Für einen Personalchef kann das eine wichtige Information sein.» Entsprechend gross sei bei Firmen das Bedürfnis, ihre künftigen Mitarbeiter so gut wie möglich zu kennen – vor allem, wenn es um Kaderleute gehe. Aber, so Grisiger: «Die Reports sollen nicht darüber bestimmen, ob jemand eingestellt wird. Sie sollen das Bild eines Bewerbers vervollständigen.»

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Für den eidgenössischen Datenschutzbeauftragten allerdings hat die Schnüffelei «mehr als nur einen schalen Beigeschmack», wie Sprecher Daniel Menna auf Anfrage sagt. «Eine Bonitätsprüfung macht Sinn, um sich bei Finanzgeschäften vor Betrügern zu schützen», so Menna. «Warum aber ein Personalchef solche Angaben über einen Stellenbewerber benötigt, ist nicht einleuchtend.» Der Datenschutzbeauftragte will den Mitarbeiter-Check von D&B nun genau unter die Lupe nehmen.