5000 Personalchefs erhielten letzten Dezember eine E-Mail der Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet (D&B): Die Firma bot sogenannte Mitarbeiterchecks an, mehrseitige Dossiers mit so privaten Informationen über Stellenbewerber wie Betreibungsauskünfte, Inkassofälle, frühere Wohnadressen – und sogar Namen, Alter und Geschlecht von Haushaltsmitgliedern und Nachbarn. «Die Reports sollen nicht darüber bestimmen, ob jemand eingestellt wird», sagte D&B-Wirtschaftsanalyst Bernhard Grisiger damals dem Beobachter. «Sie sollen das Bild eines Bewerbers vervollständigen.»

Beim eidgenössischen Datenschutzbeauftragen hinterliess die Schnüffelei jedoch «mehr als einen schalen Beigeschmack», wie Sprecher Daniel Menna sagte, als der Beobachter ihn auf das Angebot von D&B aufmerksam machte. Der Datenschutzbeauftragte blieb daraufhin nicht untätig: Mitte Dezember stellte er beim Bundesverwaltungsgericht ein Gesuch, den neuen Service zu verbieten. Diesem Gesuch ist das Gericht nun gefolgt. Es erachtet es als unzulässig, Daten über Arbeitnehmer zu sammeln und sie an Dritte weiterzugeben.

D&B akzeptiert den Entscheid. «Wir haben einen Fehler gemacht und bei der Lancierung der Mitarbeiterchecks rechtliche Beschränkungen übersehen», sagt Andreas Hungerbühler, Marketingleiter bei D&B. Ein Gerichtsurteil wäre laut Hungerbühler aber nicht nötig gewesen: «Wir erhielten im Dezember einen Anruf des Datenschutzbeauftragen, der uns darauf aufmerksam machte, dass die Mitarbeiterchecks unzulässig seien», sagt er. «Darauf stellten wir den Service sofort ein.»

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