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FacebookJobs nur für Auserwählte

Das soziale Netzwerk zeigt Stellensuchenden künftig Job-Inserate an. Vielleicht aber nur an alleinstehende Männer unter 30. Rechtens wäre das nicht.

Droht durch die Facebook-Stelleninserate neue Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt?
von aktualisiert am 15. März 2018

Facebook nimmt eine neue Zielgruppe ins Visier: Stellensuchende. Noch vor dem Sommer will das mächtige soziale Netzwerk mit weltweit knapp zwei Milliarden Nutzern seine Job-Funktion in der Schweiz aufschalten. Inklusive Bewerben-Button. 

Die Ankündigung macht derzeit vor allem HR-Angestellte und die Betreiber traditioneller Stellenportale nervös: Braucht es sie in Zukunft noch?

Das Targeting, das Facebook so stark macht, könnte nun aber für Ärger sorgen. Denn wenn Firmen ihre Stelleninserate nur einer präzis definierten Zielgruppe anzeigen lassen, ist das rechtlich heikel. Man stelle sich eine Annonce in der gedruckten Zeitung vor: «Wir richten uns an einen Schweizer, Single, nicht älter als 40, Christ, der die Grünen wählt.» 

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Eigentlich verboten

Geht gar nicht, wären sich alle sofort einig. Ausser bei Facebook. Dort muss man diskriminierende Anforderungen an einen Bewerber nicht ausformulieren. Ein Häkchen an der richtigen Stelle reicht. Wer den Kriterien nicht entspricht, guckt in die Röhre.

Nun steht aber in Artikel 8 der Bundesverfassung: «Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der Lebensform, der religiösen oder politischen Überzeugung.» 

Facebook Targeting

Eine Firma handle diskriminierend, wenn sie durch Vorselektion eine bestimmte Gruppe bewusst von der Möglichkeit zur Stellenbewerbung ausschliesse, sagt dazu Alex Sutter vom Verein Humanrights.ch. Das sei zwar verboten, aber wahrscheinlich weder zu verhindern noch strafbar. «Solange ein allgemeines Gleichbehandlungsgesetz in der Schweiz fehlt, drohen keine rechtlichen Konsequenzen.»

Klagen gegen Facebook

In den USA, wo es die Jobsuchfunktion bereits gibt, sieht sich Facebook mit mehreren Klagen konfrontiert. Altersdiskriminierung lautet ein Vorwurf. Diese ist in den Vereinigten Staaten seit 1967 verboten. Facebook stellt sich allerdings auf den Standpunkt, dass die Inserenten verantwortlich seien für Inhalt und Targeting. 

Obwohl die Rechtslage unklar ist, haben verschiedene Firmen, die ins Kreuzfeuer der Kritik geraten sind, ihre Job-Inserate auf Facebook inzwischen angepasst und verzichten künftig freiwillig auf Kriterien, die ältere Stellensuchende ausschliessen.

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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