Das glaube ich kaum, denn Sie treffen täglich Hunderte von Entscheidungen. Zum Beispiel entscheiden Sie sich nach dem Läuten des Weckers, gleich aus dem Bett zu springen oder noch etwas liegen zu bleiben, Sie entscheiden sich beim Frühstück für Cornflakes oder Brötchen, in der Bahn für einen bestimmten Steh- oder Sitzplatz.

Natürlich ist die berufliche Entscheidung, die Sie jetzt zu fällen haben, folgenschwerer. Vielleicht sind Sie aber nicht wegen der Tragweite der Entscheidung in eine Sackgasse geraten, sondern weil Sie versuchen, das Problem mit dem Kopf allein zu lösen, statt auch Ihre Gefühle einzubeziehen. Ich empfehle Ihnen, beide Arbeitsstellen aufzusuchen, mit den Leuten zu sprechen und dann auf Ihre innere Stimme zu hören. Ich bin sicher, dass Sie am einen Ort bessere Signale empfangen als am anderen. Nutzen Sie diese Eindrücke als Grundlage für Ihre Entscheidung, ohne die rationalen Überlegungen ausser Acht zu lassen.

Jeder war schon mal in Ihrer Situation. Oft fragt man dann andere um Rat oder stellt eine Pro-und-Kontra-Liste auf und versucht, sich die Konsequenzen der beiden Alternativen vorzustellen. Ergebnislos! Wer Probleme hat, sich zu entscheiden, hat oft eine falsche Vorstellung von diesen Prozessen. Viele setzen zu sehr auf den Verstand und glauben, allein mit Nachdenken zum Ziel zu gelangen.

Die moderne Gehirnforschung hat zusammen mit der Psychologie aber entdeckt, dass für gute Entscheidungen unbewusste und gefühlsmässige Vorgänge eine grosse Rolle spielen. Die Psychologin Maja Storch hat das in einem ihrer Bücher anschaulich beschrieben (siehe «Buchtipp»). Unterhalb der Gehirnrinde, die für das bewusste Denken zuständig ist, befinden sich Bereiche, in denen das «emotionale Erfahrungsgedächtnis» seinen Sitz hat. Dort sind Gefühle, Sinneseindrücke und Körperempfindungen gespeichert, die mit früheren Erlebnissen zusammenhängen.

Wenn man auf diesen Erfahrungsschatz hört, signalisiert er sofort «stop!» oder «go!». Natürlich kann man auch in die Irre gehen, wenn man sich nur auf den Bauch verlässt. Optimal ist ein Teamwork von Gefühl und Verstand. Zudem lässt sich in vielen Fällen nicht feststellen, ob eine Entscheidung falsch oder richtig war, da man nicht weiss, was passiert wäre, hätte man sich anders entschieden. Deshalb brauchts im Leben auch den Mut, Fehler zu machen. Bereits diese Einsicht erleichtert jede Entscheidung.

Buchtipp

Maja Storch: «Das Geheimnis kluger Entscheidungen.» Pendo-Verlag, Zürich 2003, Fr. 29.90