Lieber Christoph Blocher, Sie lassen auch gar nichts aus! Nach Bauer, Unternehmer und Bundesrat wollen Sie nun Professor für Wirtschaftsethik werden. Das Motiv dafür ist weder Geld noch Ansehen. Es sind die Wirtschaftsstudenten, die Ihnen am Herzen liegen. Denn diese seien heute orientierungslos. Sie benötigten daher dringend einen Lehrer, der eine «grundpositive, also wirklichkeitsgemässe – ethische – Haltung (im Wortsinn!)» besitzt – wie Sie in Ihrer Bewerbung gewohnt einfach und verständlich schreiben. Wer, wenn nicht Sie, wäre für die ausgeschriebene Professur wie geschaffen?

Als akademischen Leistungsausweis können Sie zwar nur Ihre juristische Dissertation über die Funktion der Landwirtschaftszone vorweisen. Dafür sind die anderen, weit über 200 Schriften auf Ihrer Publikationsliste umso bedeutender: etwa das vielbeachtete Werk «D Sprooch isch de Spiegel vom ene Volk» (Heimatbuch Meilen, 1981). Oder Ihr Artikel über die ethisch höchst umstrittene Frage «Gehören Bergbewohner in ein Reservat?», der 1987 im «Bündner Tagblatt» publiziert wurde. Mit diesen und ähnlich legendären Schriften machen Sie das Manko der fehlenden Habilitation mehr als wett.

Bestimmt werden Sie bald zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Holen Sie zur Vorbereitung Informationen über Ihre neue Arbeitgeberin ein – am schnellsten geht das via Internet. Da Sie sich mit Computern nicht gut auskennen: Ihre Kinder helfen Ihnen sicher dabei. Bereiten Sie sich auf Fragen vor, etwa ob Sie teamfähig sind oder welchen Führungsstil Sie kultivieren.Kommen Sie gepflegt und pünktlich zum Interview. Begrüssen Sie Ihre Gesprächspartner mit Namen, fallen Sie ihnen ja nicht ins Wort und lassen Sie sich durch unerwartete Fragen nicht aus der Ruhe bringen. Der Interviewer will damit überprüfen, wie Sie auf Stress reagieren. Bemühen Sie sich um eine aufrechte, wache Haltung.

Lassen Sie sich nicht entmutigen, falls Ihre Bewerbung scheitert. Suchen Sie einen anderen «Auftrag». Wie wärs mit demjenigen des Opas? Ihre sieben Enkel würden sich freuen!