Claudia Hofer aus Bülach hatte Glück. Vor zwei Jahren fand die heute 40-jährige Mutter dreier Kinder wieder einen Job: als Teilzeitsekretärin bei der Fachstellenkonferenz für Alkoholprobleme. «Nach zehn Jahren Kinderpause bin ich froh um diese Stelle. Sie bringt mir Abwechslung, ohne dass die Familie darunter leidet.»

Wie Claudia Hofer zieht es viele Familienfrauen zurück in den Beruf. «Zum Teil sind sie gar nie ganz ausgestiegen», sagt Claire Barmettler, Geschäftsführerin des Instituts für Berufs- und Lebensgestaltung S&B in Bülach – eine gute Strategie, denn wer den Kontakt zur Arbeitswelt nie ganz abbrechen lässt, hat es später einfacher, wieder Fuss zu fassen.

Bei der Rückkehr ins Berufsleben müssen die Frauen oft grosse Hürden überwinden. Laut einer McKinsey-Studie würden 86 Prozent der Mütter gerne eine berufliche Tätigkeit aufnehmen, aber nur jede zweite bekommt ihren Wunschjob. Ein grosses Hindernis sind die mangelnden Tagesschulen und Kinderkrippen. Aus diesem Grund sollten alle Familienmitglieder in den Prozess des Wiedereinstiegs einbezogen werden, empfiehlt Barmettler.

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«Es lohnt sich, die Abmachungen bezüglich der Arbeitsverteilung in der Familie immer wieder neu auszuhandeln. Toleranz von allen Beteiligten ist angesagt.»

Flexible Arbeitszeitmodelle

Doch selbst wenn die privaten Verhältnisse stimmen, verlangt der Wiedereinstieg neben Flexibilität einen starken Willen. Wichtig sei, die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen, sagt Claire Barmettler. «Oft trauen sich Frauen zu wenig zu und lassen sich schnell entmutigen.» So unterstreichen etwa auch ehrenamtliche Arbeiten die Qualifikation der Jobsuchenden und gehören in den Lebenslauf. In Weiterbildungskursen können sich Wiedereinsteigerinnen zudem das fehlende Fachwissen aneignen.

Vernetzung ist ein weiterer wichtiger Baustein zum Erfolg. «Informieren Sie Ihre Bekannten und Freunde über Ihre Absichten», empfiehlt Alexandra Hänggi von professionnELLE, der Kontaktstelle Frau + Arbeit in Liestal. Auch die Mitgliedschaft in einem Berufsverband kann den Wiedereinstieg vereinfachen. Neben Bewerbungen auf Stelleninserate führen manchmal auch Blindbewerbungen an mögliche Arbeitgeber zum Ziel, denn nicht alle Stellen werden ausgeschrieben.

In den kommenden Jahren werde die Bedeutung der Teilzeitarbeit zunehmen, glaubt Claire Barmettler. Bereits heute bieten Zeitarbeitsfirmen befristete und unbefristete Verträge an. In vielen Firmen ist das Jobsharing möglich, bei dem sich zwei Frauen das Arbeitspensum teilen. Zukunftsweisend ist auch das Modell der Mobilzeit: Die Arbeitnehmerin arbeitet ein bestimmtes Pensum ergebnisorientiert ab – wann sie wie viel Zeit in der Firma verbringt, kann sie selber bestimmen.

Derzeit sind erst 42 Prozent der Frauen in der Schweiz im Erwerbsleben aktiv, und die angespannte wirtschaftliche Situation erschwert vielen den Wiedereinstieg. Das werde sich ändern, ist die Managerin und Buchautorin Sylvia Rothblum überzeugt: «Langfristig können es sich die Unternehmen nicht leisten, auf die Arbeitskraft der jungen, gut ausgebildeten Frauen zu verzichten.»