Zu beneiden sind sie wirklich nicht, die Mitarbeiter der Firma Daru. Bei Regen und Kälte schieben sie auf einer Baustelle bei der Tramhaltestelle Pilgerstrasse in Basel Wache von fünf Uhr in der Früh bis ein Uhr nachts. Wegen Leitungsarbeiten wird hier der Verkehr während mehrerer Monate links statt rechts an der Traminsel vorbeigeführt. «Ich muss dafür sorgen, dass die Trams nicht mit Lastwagen zusammenstossen», sagt ein sichtlich gelangweilter Daru-Angestellter zu später Stunde. Jede Viertelstunde fährt ein Tram vorbei, Lastwagen sind zu dieser Zeit nicht mehr unterwegs. «Vor allem nachts und an Sonntagen ist es extrem langweilig, schlimmer als das Wacheschieben im Militär.»

Die Situation an der Pilgerstrasse

ist kein Einzelfall. Sobald die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) Gleisarbeiten ausführen, steht ein privater Schutzmann dort. Manchmal sind es auch mehrere, zuweilen wird gar rund um die Uhr bewacht. «Das Ganze ist ein Witz», sagt Lastwagenchauffeur Sandro Waldis.

Artikel 19 des Eisenbahngesetzes schreibe diese Sicherheitsvorkehrungen vor, sagt Georg Vischer, Vizedirektor der BVB. Nach einem Unfall vor ein paar Jahren seien diese per Gerichtsentscheid sogar noch verschärft worden. Beim Verband öffentlicher Verkehr (VöV) weiss man jedoch nichts von einem solchen Fall. Auch aus dem allgemein gehaltenen Artikel 19 des Eisenbahngesetzes liessen sich solch rigorose Massnahmen nicht zwingend ableiten, sagt VöV-Jurist Rolf Meyer. «Punkto Sicherheitslevel hat Basel vermutlich einen höheren Standard als andere Städte.»

Wie viel die Dauerbewachung kostet, kann bei den BVB nicht beziffert werden; diese Ausgaben werden nicht separat ausgewiesen. Die Firmen Daru und Kroo, die das Geschäft untereinander aufteilen, berechnen den BVB rund 1000 Franken pro Mann und Tag. Angesichts der zahlreichen BVB-Baustellen der letzten Jahre dürften so schnell mehrere hunderttausend Franken zusammenkommen.

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