Als junges Berner «Landmeitschi» verliebte sie sich in die griechische Insel Samos und in Dimitri. Inzwischen lebt die 37-Jährige mit ihrem Mann bei Marathokambos und engagiert sich tatkräftig in der freiwilligen Feuerwehr.

Aufgezeichnet von Anna Bähler

Jetzt, da die Dürreperiode begonnen hat, schlafe ich wieder unruhig. Ein Ohr lauscht dem Knistern des Funkgeräts, das Tag und Nacht eingeschaltet ist. Gibt es einen Alarm, muss ich oder mein Mann Dimitri sofort die restlichen Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr von Marathokambos mobilisieren. Ein- bis zweimal im Monat sind wir mit der Nachtpatrouille an der Reihe: Mit unserem Pick-up, der mit einem 500-Liter-Wassertank und einer Spritzpumpe ausgerüstet ist, fahren wir von 21 Uhr bis 2 Uhr morgens die Gegend ab. Das letzte Feuer konnte die freiwillige Feuerwehr innert kürzester Zeit löschen. Denn innerhalb von 30 Minuten waren 50 Leute im Einsatz ein voller Erfolg.

Oft werde ich gefragt: «Warum engagierst du dich so du als Fremde?» Ich antworte: «Weil ich diese Insel liebe, die Menschen, die darauf wohnen, und ganz besonders Dimitri!» Hier auf der griechischen Insel Samos sah ich ihn 1984 das erste Mal gleich am ersten Ferientag, als er mir über die Gasse eine Cola verkaufte. Abends, im selben Lokal, bestellten meine drei Freundinnen und ich viermal Moussaka, viermal Zaziki und viermal griechischen Salat. Dimitri lachte und erklärte, dass eine Portion Beilagen für alle reiche. Von da an verbrachten wir vier Berner «Meitschi» jeden Abend in dieser Taverne, tanzten zu griechischer Musik; schliesslich funkte es zwischen Dimitri und mir.

Ein Dorf im Hochzeitstaumel

Nach 14 Tagen verabschiedeten wir uns mit dem Versprechen, miteinander in Kontakt zu bleiben. Rechtzeitig zum «Zibelemärit» kam er tatsächlich für drei Wochen zu Besuch. Danach waren wir wieder ein halbes Jahr getrennt, schrieben und telefonierten viel. Obwohl wir uns nur sporadisch sahen, war uns ein Jahr nach unserer ersten Begegnung bereits klar, dass wir zusammenbleiben wollen, und wir kauften im Südwesten der Insel, in der Ebene unterhalb von Marathokambos, ein Stück Land für ein Ferienhäuschen.

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Im Dezember 1986 heirateten wir standesamtlich in Bern. Die kirchliche Trauung war im Sommer darauf in Dimitris Heimat. Das ganze Dorf feierte mit. Ein Umzug begleitete uns von der griechisch-orthodoxen Kirche zum geschmückten Dorfplatz, wo bis tief in die Nacht hinein getanzt wurde. Besonders beeindruckt waren die Griechen von der Berner Trachtengruppe.

Sieben Jahre lang wohnten wir in der Schweiz bei meinen Verwandten. Dimitri arbeitete zuerst in einem Hotel, später als Milchmann in der Käserei meines Schwagers. Ich war Sekretärin beim Beschwerdedienst des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements.

Seltsam, wenn ich daran zurückdenke: Ich komme vom Land, war nie ein Bürogummi und schaute immer sehnsüchtig hinaus zu dem Stück Himmel zwischen den Hausdächern. Mein Chef sagte dann lachend: «Eliane, geh doch eine Runde Luft schnappen.» Heute bin ich meist draussen, im Garten und in den Olivenhainen.

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All unsere Ferien verbrachten Dimitri und ich auf Samos und bauten Etappe um Etappe unser Haus in der Nähe von Marathokambos. Allerdings kein Ferienhaus, sondern unsere zukünftige Wohnung und unsere neue Lebensgrundlage: sechs Ferienstudios. Das ist nun bereits unser achtes Jahr hier in Griechenland.

Unversehrte Olivenhaine

Ich mag es, Menschen um mich herum zu haben. Manchmal kommt es auch zu interessanten Gesprächen: bei einem Grillabend oder wenn ich die Zimmer putze, den Garten bewässere und die unzähligen Katzen füttere, die uns ständig zulaufen. Kinderlachen erfüllt Haus und Garten das freut mich umso mehr, da Dimitri und ich keine eigenen Kinder bekommen können. Und: Wir leben von den Einnahmen aus den Studios so wie wir es uns erhofft haben.

Nebenbei betreuen wir die Olivenhaine von Dimitris Eltern. Diese haben eine ungenügende Altersvorsorge und sind auf das Geld angewiesen, aber zu gebrechlich, um die Arbeit selber zu machen. 180 Olivenbäume sind es. Im Februar und im März schneiden wir sie zurück, im Sommer mähen wir das Gras dazwischen und bewässern die Bäume, im September legen wir die Netze aus, die die Oliven auffangen. Im Winter sammeln wir die Ernte ein, manchmal bis in den Februar hinein.

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Letztes Jahr hatten wir keinen guten Ertrag. Es war zu heiss und regnete kaum. Immerhin konnten wir unsere Olivenhaine vor dem Feuer retten. So müssen wir nicht sieben Jahre auf die nächste Ernte warten wie andere Bauern.

Hier in der Gegend ist alles grün und unversehrt. Aber wer weiss, was der grosse Flächenbrand im letzten Juli angerichtet hätte, gäbe es die freiwillige Feuerwehr von Marathokambos nicht. Sieben Tage und Nächte lang haben wir gegen das Feuer gekämpft. Schliesslich konnten wir es oben beim Berg stoppen, so dass die Ebene verschont blieb.

Angst hatte ich keine, dafür war ich zu beschäftigt. Wie alle anderen schlief ich maximal vier Stunden pro Nacht. Ich war ziemlich kaputt und hässig. Der grösste Teil der staatlichen Feuerwehr, die mit 900 Mann und 60 Löschfahrzeugen auf die Insel geschickt worden war, hockte nur dumm herum. Ich habe den Kommandanten wütend angebrüllt, er solle endlich sein «Füdli lüpfe». Schliesslich wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen und stellte einen unserer Feriengäste als «Vertreter der internationalen Presse» vor. Das wirkte. Das absurde Verhalten der staatlichen Feuerwehr machte übrigens in Griechenland Schlagzeilen, und in der Folge mussten die Verantwortlichen den Hut nehmen.

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Während unseres Einsatzes mussten Dimitri und ich die Ferienstudios im Stich lassen. Aber zum Glück hatten wir wundervolle Gäste. Sie beklagten sich nicht über den zweitägigen Stromunterbruch und reisten auch nicht ab. Sie litten mit, bedienten das Telefon, machten die Wäsche, fütterten unseren Hund Seffi sowie die Katzen und spendeten für die Feuerwehr. Einfach super!

Die Touristen bekommen ja auch etwas dafür zurück: Die freiwillige Feuerwehr von Marathokambos sorgt dafür, dass dieser Ort ein Ferienparadies bleibt. Auch indem sie beispielsweise jeden Morgen den Strand putzt, die Strassen instand hält und Pinienzapfen sammelt, um abgebrannte Stellen aufzuforsten.

Acht Feuerwehrfrauen

Was mich riesig freut: Die Zahl der Freiwilligen hat sich letztes Jahr mehr als verdreifacht. Inzwischen sind wir 86 Feuerwehrleute, davon acht Frauen. Manche löschen wie ich an der Front. Aber es gibt eine Menge anderer Aufgaben: Telefonalarm, Strassensperren, Sanität und Verpflegung. Wir ziehen auch von Taverne zu Taverne und sammeln Geld, um Löschgeräte anzuschaffen. In Deutschland, Grossbritannien und in der Schweiz suchen Leute für uns nach ausrangiertem Material. In der Schweiz macht das meine 72-jährige Tante. Sie hat extra die «Feuerwehrzeitung» abonniert.

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Und es bewegt sich tatsächlich etwas: Im Winter bekamen wir zwei ausrangierte Feuerwehrautos aus Deutschland, das eine für 13000 DM und das andere sogar geschenkt! Und etwas ganz Wichtiges habe ich selber beschafft: Grubenlampen. Erst spotteten alle, bis sie merkten, wie praktisch es ist, fürs Löschen beide Hände frei zu haben.

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