1. Home
  2. Bildung
  3. Aus- & Weiterbildung
  4. Weiterbildung: Fit im Kopf?

WeiterbildungFit im Kopf?

Tipps fürs Lernen
Beim Lernen ist es wie beim Sport. Wer täglich Hirngymnastik betreibt, möchte schon bald nicht mehr darauf verzichten – das Lernen wird zum bleibenden Bedürfnis. Bild: Thinkstock Kollektion

Wer trainiert, bleibt fit: Das gilt auch fürs Gehirn. Ist man erst mal aus der Übung, muss man seinen Kopf wieder aufs Lernen einstimmen. Einige Tipps, die den Wiedereinstieg erleichtern.

von Nicole Zurbuchen

«Keine Zeit» ist die häufigste Antwort auf die Frage, weshalb sich jemand immer noch nicht für den Spanisch- oder den Excel-Kurs angemeldet hat, von dem seit Jahren die Rede ist. Zeit fürs Lernen muss man sich also bewusst schaffen. «Etwa indem man den Fernsehkonsum reduziert, selektiver Zeitungen liest, die Hausarbeit vereinfacht oder weniger oft ausgeht», sagt Verena Steiner, die sich seit 25 Jahren mit Lernstrategien beschäftigt. Bekannt wurde die Zürcherin mit ihrem Bestseller «Exploratives Lernen». Darin erläutert sie, dass fürs Hirn dasselbe gilt wie für Muskeln: «Der Gebrauch oder Nichtgebrauch entscheidet über die Fitness. Wer aus der Übung gekommen ist, muss sich Zeit geben. Es dauert Wochen, bisweilen Monate, bis man wieder drin ist.»

Hirntraining kann süchtig machen

Die gute Nachricht ist: Beim Lernen ist es wie beim Sport. Wer täglich Hirngymnastik betreibt, möchte schon bald nicht mehr darauf verzichten – das Lernen wird zum bleibenden Bedürfnis.

Und dies muss einem 40-, 50- oder 60-Jährigen nicht zwingend schwerer fallen als einem 20-Jährigen. Im Gegenteil – in gewissen Bereichen haben reifere Menschen sogar einen Vorsprung: Sie können meist besser Prioritäten setzen, Zusammenhänge erkennen und diszipliniert für Prüfungen lernen.

Menschen, die längere Zeit keine Ausbildung mehr gemacht haben, sind jedoch oft unsicher, wie sie das Ganze anpacken sollen. Voraussetzung für den Lernerfolg ist, dass die äusseren Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört ein gut eingerichteter Lernplatz, der ungestörtes Arbeiten erlaubt. Wer Familie hat, sollte vor Beginn der Ausbildung mit dem Partner und den Kindern über die Veränderungen sprechen, die auf sie zukommen.

Wichtig ist auch, dass man sich ein genaues Bild über den zu erwartenden zeitlichen Aufwand macht. Fachleute empfehlen, dem Lernen wöchentlich dieselben Stunden oder Tage zu widmen. Expertin Steiner dazu: «So ist man innerlich aufs Lernen eingestellt und muss sich nicht immer von neuem überwinden.»

Der Mythos vom «Eintrichtern»
Viele Menschen können sich besser konzentrieren, wenn sie die Lernstunden im Voraus festlegen und die Dauer begrenzen. Allerdings ist auch hier Geduld gefragt: Anfänglich fällt es neu Lernenden schwer, ihre volle Aufmerksamkeit auf ein Lehrbuch zu richten, ohne ständig abzuschweifen. Da können Konzentrationsübungen nützlich sein.

Damit allein ist es jedoch noch nicht getan: Etliche Menschen haben eine falsche Vorstellung davon, wie Lernprozesse ablaufen. Sie glauben, den Stoff durch mehrmaliges Repetieren ins Gehirn «eintrichtern» zu müssen. Dazu Verena Steiner: «Das Lernen geschieht nicht passiv, sondern ist ein aktiver Prozess. Deshalb sollte man nie eine Lernsession beginnen, ohne sich vorher zu fragen: Was will ich am Ende dieser Stunde wissen und frei wiedergeben können?» Wer sich ein bestimmtes Ziel setze – etwa das Kapitel XY durchzuarbeiten und die wichtigsten Punkte schriftlich zusammenzufassen –, lerne effizienter. «Hat man sich vor Beginn der Lernsession kein konkretes Ziel gesetzt, ist das Ganze oft Zeitverschwendung», meint Steiner.

Zuweilen sind die Stolpersteine aber auch ganz anderer Natur. So stellt manch einer erschrocken fest, dass er oder sie noch immer an denselben Versagensängsten leidet wie zur Schulzeit. Dies erstaunt nicht: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Gefühle, die beim Lernen auftauchen, stark von den Erfahrungen geprägt sind, die ein Mensch in jungen Jahren damit machte. Lernforscher wie der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer konnten ferner nachweisen, dass man sich an Wörter, die in positivem emotionalen Kontext gespeichert wurden, am besten erinnert. Wenn das kein Grund ist, positiv gestimmt den Spanisch-Kurs anzupacken, von dem seit Jahren die Rede ist!

Bestimmen Sie Ihren Lerntyp: PDF (59 kb)

Entwickeln Sie Lernstrategien

  • Vorbereiten und planen: Mobilisieren Sie Ihr Vorwissen und strukturieren Sie den neuen Stoff. Setzen Sie zeitliche Meilensteine (Tages-, Wochenziele). Stellen Sie sicher, dass Sie über alles nötige Material verfügen (Lehrmittel, Software, Agenda/Zeitplaner et cetera).

  • Stoffauswahl: Entscheiden Sie, was Sie lernen – und was Sie weglassen wollen (Mut zur Lücke!). Stellen Sie zuerst das Grundlagenwissen zusammen und definieren Sie danach, was Sie darauf aufbauen wollen.

  • Einfachheit: Verlangen Sie nicht von sich, dass Sie alles auf Anhieb verstehen. Geben Sie sich genügend Zeit, komplexe Inhalte zu begreifen, und planen Sie für ungeliebte Fächer doppelt so viel Zeit ein. Entwickeln Sie Taktiken, wie Sie komplexe Lerninhalte vereinfachen können (Eselsbrücken, Systematiken, Bilder, Grafiken et cetera).

  • Lesen: Lesen Sie konzentriert und zielorientiert. Machen Sie sich Notizen, fassen Sie zusammen und visualisieren Sie das Gelesene. Klappen Sie das Buch nach spätestens einer Lernstunde zu und geben Sie den Inhalt frei wieder – etwa indem Sie das Gelernte Ihrem Partner erzählen.

  • Repetieren: Teilen Sie den Stoff in «verdaubare Happen» und nehmen Sie sich diese regelmässig vor. Es gilt: Wiederholung nach zehn Minuten, nach 24 Stunden, nach einer Woche, nach einem Monat, nach sechs Monaten.

  • Gruppenlernen: Suchen Sie sich Lernpartner und Lerngruppen. Geniessen Sie das Zusammensein, die Diskussionen, die intellektuellen Höhenflüge. Wichtig: Die Zeit, die Sie in die Unterstützung von anderen investieren, ist nicht verloren; indem Sie Lerninhalte vermitteln oder schwierige Sachverhalte erklären, lernen Sie selbst oft am meisten.

  • Konzentration: Entwickeln Sie Taktiken, wie Sie Ihre Konzentration positiv beeinflussen können (etwa Pausen mit Bewegung, Essen, Trinken, Entspannung). Schalten Sie Störfaktoren aus, bevor sie nerven. Terminieren Sie «notwendige Übel» geschickt und schieben Sie sie nicht bis zum Schluss vor sich hin.

  • Gesundheit: Sorgen Sie für körperliches und geistiges Wohlbefinden; gönnen Sie sich genügend Schlaf, meiden Sie Suchtverhalten, lenken Sie sich mit dem Partner, Freunden oder den Kindern ab.

  • Spass an der Sache: Kämpfen Sie gegen Monotonie und sorgen Sie für Abwechslung und Vergnügen: thematische Höhepunkte geniessen, Lernerfolge sichtbar machen (Liste zum Abhaken) und erreichte Teilziele feiern.

  • Gelassenheit und Humor: Entwickeln Sie Taktiken, um mit Stress umzugehen. Motivations- und Lerneinbrüche gehören zu längeren Lernphasen.

Das Gedächtnis spielerisch trainieren

Veröffentlicht am 2007 M04 04