BeobachterNatur: Simon Zangger, Ihr ­Portfolio in dieser Galerie umfasst 37 Bilder. Welches Foto ist typisch für die Aare?
Zangger: Das gibt es nicht. Die Aare ist viel zu variantenreich. Als ich den Auftrag erhielt, den Fluss von der Quelle bis zur Mündung zu por­trätieren, schluckte ich leer ­und dachte: Das wird total ein­tönig. Am Ende haben wir aus über 2000 Fotos eine vielseitige Mischung zusammen­gestellt.

BeobachterNatur: Wo ist die Aare am schönsten?
Zangger: Für mich im Grimselgebiet, kurz vor Guttannen, wo sie ruhig durch ein Kiesbett im Wald fliesst. Oder dort, wo das milchig weisse Gletscherwasser in den leuchtend blauen Brienzersee mündet. Wie die Farben sich dort vermischen, wie der stark flies­sende Fluss ruhig wird und im See verschwindet – das ist unglaublich.

Der Zürcher Fotograf Simon Zangger (23) studiert Camera Arts in Luzern.

Quelle: Simon Zangger
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BeobachterNatur: Was ist mit der Aareschlucht?
Zangger: Für Touristen mag sie interessant sein, aber an der Aare gibt es viele Orte, die spezieller sind.

BeobachterNatur: Zum Beispiel?
Zangger: Bei Brugg etwa habe ich mich überhaupt nicht wie in der Schweiz gefühlt, eher wie am Amazonas. Die Aare ist dort verschlungen, sogar Wasserbüffel gibt es. Auch Bern hat mich beeindruckt. Bei schönem Wetter pilgert die halbe Stadt zur Aare, wo Dutzende von farbigen Schlauchbooten auf dem Wasser treiben.

Die Aarereportage fotografierte Simon Zangger mit einer Canon 5D Mark II und abwechselnd mit einem Objektiv Canon EF 24-70mm und Canon EF 100mm.

Quelle: Simon Zangger
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BeobachterNatur: Wie lange waren Sie unterwegs?
Zangger: Insgesamt 14 Tage, sechs davon am Stück, obwohl ich nur Kleider für zwei Tage dabeihatte. Ich konnte einfach nicht aufhören zu fotografieren. Fast die ganze Strecke legte ich mit dem Velo zurück, voll bepackt. Oft musste ich zu Fuss weiter, um entlegene ­Stellen zu erreichen. Ins Quellgebiet schaffte ich es erst beim zweiten Anlauf, weil der Grimselpass ­Anfang Juli noch gesperrt war.

BeobachterNatur: Gab es besondere ­Begegnungen?
Zangger: An der Quelle traf ich ­einen Deutschen. Der ist ein so grosser Fan dieses menschenverlassenen Orts, dass er alle zwei Jahre hierherreist. Und am Brienzersee vermietete mir ein Hippie mit ­Feder im Haar frühmorgens ein Motorboot. Eigentlich ­öffnet er erst um 11 Uhr, aber er meinte, ich solle kurz nach Sonnenaufgang los. Es war eindrücklich, so völlig allein auf dem See mit all den satten Blautönen. Meine Favoritin war aber eine Anglerin, in der Früh, kurz nach Büren. Sie steht ­jeden Morgen da – in Pantoffeln.

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BeobachterNatur: Gibt es ein Sujet, das Sie nicht gefunden haben?
Zangger: Ja. An der Quelle hatte ich mir ein Gletschertor vorgestellt oder ein einzelnes Rinnsal, das langsam grösser wird. Aber die Aare ist eine Summe von vielen Bächlein, die von überallher zusammen­fliessen. Auch das Ende in ­Koblenz hat mich enttäuscht. Mir schwebte ein Foto von einer ­grossen Weite vor, wo zwei Flüsse zu ­einem grossen Strom werden. Leider ist die Gegend gar nicht lebendig, ­fotografisch kein würdiger Abschluss für die Aare.

BeobachterNatur: Hat die Reportage Ihr Bild von der Schweiz verändert?
Zangger: Sehr sogar. Ich hätte nie gedacht, dass es auf einer so ­kleinen Fläche so viel Unterschiedliches zu sehen gibt. Als ich wieder zu Hause war, hatte ich den ­extremen Drang, meinen Rucksack zu packen und gleich noch mal loszu­ziehen. Das habe ich auch gemacht.

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BeobachterNatur: Wohin sind Sie gefahren?
Zangger: Ins Grimselgebiet. Dorthin, wo die Aare entspringt.

Mehr Bilder von Simon Zangger: www.simonpictures.ch