Der Klingnauer Stausee sei vor allem im Frühling schön, heisst es. Wenn die Vögel sich zum Nisten eingefunden haben und die Bäume ihr frisches, grünes Gewand präsentieren. Ein Grund mehr, die Gegend einmal in einer anderen Jahreszeit zu besuchen. Der Winter hat den Vorteil, dass man nicht über Hobby­ornithologen stolpert, zudem lässt sich die Wanderung mit einem Sprung ins Thermalbad Zurzach beschliessen.

Das «Zurzibiet» liegt verkehrstechnisch günstig. Vom Bahnknotenpunkt ­Baden aus dauert die Fahrt nach Koblenz Bahnhof nur 20 Minuten. Es ist also ohne weiteres möglich, spontan in den Zug zu steigen und loszufahren. Denn die Wald- und Wiesenwege sind problemlos ohne spezielles Schuhwerk und Vorbereitung zu bewäl­tigen.

Der Wegweiser am Bahnhof Koblenz zeigt nach links, die Route führt zum Aare­ufer. Weil ich aber gerade in rebellischer Stimmung bin, gehe ich nach rechts, biege nach der Stuhlfabrik links ab und halte auf die Aarebrücke zu. Das Ungemach donnernder Lastwagen auf der Hauptstrasse ist schnell überstanden.

Gleich auf der anderen Seite der Brücke führen Stufen hinunter ans Aareufer. Ein Miniaussichtsturm erlaubt einen herrlichen Panoramablick aufs Rendezvous von Aare und Rhein. Von der Mündung führt ein lauschiger Fussweg der Aare entlang zur eleganten Eisenbahnbrücke. Ich gehe unter den Bäumen noch ein paar Schritte weiter und entdecke eine handgezimmerte Bank. Hier sitze ich und stelle mir die vom Wetter inspirierte Frage: Welcher Maler hat eigentlich die Kraft der Farbe Grau am subtilsten wiedergegeben?

Ohne eine Antwort wandere ich über das Wehr zurück ans andere Aareufer und dem Stausee entlang Richtung Süden. Bei der Anlegestelle der Klingnauer Pontoniere zeigt ein Wegweiser die Route über die Hügel beziehungsweise zum Bahnhof. Ein Abstecher durch das charmante alte Städtchen Klingnau mit seinem Schloss lohnt sich – man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt.

Die Altstadt von ­Klingnau ­verströmt ­historisches Flair.

Quelle: Andreas Eggenberger
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Nach der Bahnunterführung führt der Weg «sportlich» aufwärts und über das «Dornestigele» mitten durch die noch in allen Herbsttönen erstrahlenden Reben zum Waldrand. Unter dem diesigen Himmel tut sich hier eine herrliche Aussicht bis weit nach Deutschland auf. Bald ist der höchste Punkt auf dem Ache­berg ­erreicht. Fortan muss uns die mangelnde Fitness keine Sorgen mehr machen, denn der Weg führt jetzt abwärts durch den Wald.

In den Rebbergen oberhalb von Klingnau wird seit dem Mittelalter Wein angebaut.

Quelle: Andreas Eggenberger

Stärkung bei der schmucken Kapelle

Nach insgesamt gut zwei Stunden Wanderung erreichen wir eine weite Lichtung. Sie entpuppt sich als Quell sowohl see­lischer als auch körperlicher Nahrung: Gleich neben der heimeligen Loreto­kapelle steht das ebenso heimelige Restaurant Achenberg mit seinem grünen Kachelofen und dem stärkenden «Hudelwätterkafi». Frisch gerüstet, ist es dann noch ein 45-minütiger Katzensprung den Chatze­steig hinunter bis in die wunderbar warm sprudelnden Fluten des Thermalbads Zurzach.

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Später Nachmittag, wenig Leute: perfekt. Wohlig räkeln wir uns im Open-Air-Jacuzzi und schauen den Krähen zu, wie sie schwarz am Himmel kreisen und sich Geschichten aus dem Wald erzählen.

In der Loretokapelle auf dem Acheberg beten die Gläubigen zu einer schwarzen Madonna.

Quelle: Andreas Eggenberger
Quelle: Andreas Eggenberger
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 Acheberg

  • Route: Bahnhof Koblenz–Klingnauer Stausee–Klingnau–Acheberg–St.-Loreto–­Rheintalblick–Bad Zurzach
  • Charakter: leichte Wanderung
  • Wanderzeit: 3 Stunden 15 Minuten
  • Distanz: 12 Kilometer
  • Aufstieg: 250 Meter
  • Abstieg: 240 Meter
  • Saison: ganzjährig
  • Karte: Landeskarte 1 : 25 000; Blatt 1050 Bad Zurzach

ANREISE
Mit dem Zug nach Bahnhof Koblenz

ESSEN
Das Café Rebstock in Klingnau ist empfehlenswert. Eine besonders lauschige Grillstelle befindet sich am Waldrand oberhalb von Klingnau. Zwischen Klingnau und Bad Zurzach liegt das Restaurant Achenberg.

ÜBERNACHTEN
Hotel Picone, Klingnau: Geräumige ­Zimmer ohne Schnörkel mitten im ­pittoresken Teil des Städtchens. Schweizer und italienische Küche im Restaurant. www.hotel-picone.ch

STAUNEN
Gleich zu Beginn der Wanderung sind die majestätischen Wassermassen von Rhein und Aare und die Naturschutz­gebiete an den Ufern zu bewundern. Der Klingnauer Stausee ist als Rastplatz für Zugvögel bei Ornithologen bekannt; Wehr und Turbinenhaus verzücken auch Architekturfreunde. Die Aussicht von den Klingnauer Rebbergen und vom Waldrand am Ache­berg ist traumhaft. Beim Aussichtspunkt Rheintalblick im Wald oberhalb von Zurzach tut sich die Sicht auf die sanften grünen Hügel bis in den Schwarzwald auf.

2

 Weinwanderung

  • Route: Klingnau–Döttingen–Tegerfelden–Endingen
  • Charakter: leichte Wanderung, kinderwagentauglich
  • Wanderzeit: 3 Stunden
  • Distanz: 11 Kilometer
  • Aufstieg: 150 Meter
  • Abstieg: 150 Meter
  • Saison: ganzjährig
  • Karte: Landeskarte 1 : 50 000; Blatt 215T Baden

ANREISE
Zug nach Klingnau; Rückreise mit Postauto.

SEHENSWERTES
Die Rebberge bieten einen herrlichen Weitblick, Weingüter laden zum Degustieren ein. In Tegerfelden lohnt sich ein Besuch im Weinbaumuseum, wo man in einer Trotte von 1788 viel Wissenswertes über die Geschichte des Kelterns erfährt.

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3

 Koblenz–Villigen

  • Route: Bahnhof Koblenz–Strick–Hohwacht–Sibewege–Mandach– Röt–Chameren–Geissberg–Ruine
  • Besserstein–Villigen
  • Charakter: sportliche Wanderung
  • Wanderzeit: 4 Stunden 45 Minuten
  • Distanz: 17 Kilometer
  • Aufstieg: 360 Meter
  • Abstieg: 330 Meter
  • Saison: ganzjährig
  • Karte: Wanderkarte 1 : 50 000; Blatt 215T Baden

ANREISE
Mit dem Zug nach Bahnhof Koblenz; Rückreise mit dem Postauto von Villigen nach Brugg SBB

SEHENSWERTES
Das Wehr des Klingnauer Stausees ist wie das Kernkraftwerk Leibstadt, die Elektrizitätsmasten und die Kiesgrube am Geissberg ein Zeichen für das enge Zusammenspiel von Natur und Industrie in der Region. Der Weg führt durch fein duftende Wälder, aber es gibt auch fantastische Aussichtspunkte, etwa an der Hohwacht (wo es nicht nötig ist, den Gipfel ganz zu stürmen), am Geissberg und bei der Ruine Besserstein über Villigen. Eine weitere Attraktion: Am Geissberg lebt eine grössere Kolonie von Gämsen.

Tickets für Bad Zurzach gewinnen!

Im Thermalbad sprudelt das Wasser der alkalischen Glaubersalzquelle aus 430 Metern Tiefe an die Oberfläche. Zahlreiche Becken, Dampf­bäder und Saunas laden zum Entspannen ein.
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