Auf den nächsten sechs Seiten finden Sie die Lieblingsberge von sechs Sportlerinnen und Sportlern. Wir haben diese Bergfreunde gebeten, uns zu schildern, weshalb sie diesen bestimmten Berg besonders mögen.

Dazu freuen wir uns auf Ihre Einsendungen: Bei welchem Gipfel geraten Sie ins Schwärmen?

Leser-Aufruf: Haben auch Sie einen Lieblingsberg?

Haben Sie Ihren Lieblingsberg oder Lieblingsgipfel fotografiert? Dann senden Sie das Bild an leserbild@beobachter.ch.

Schreiben Sie bitte kurz dazu, wie der Berg heisst, wo er steht und was das Besondere an ihm ist. Die besten Bilder werden wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Wir freuen uns auf Ihre Bilder!

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Der Sehnsuchtsort: Dent Blanche, VS, 4357 m ü. M.

Bild:  Caroline Fink

Caroline Fink, 37, Fotografin, Buchautorin und Filmerin

«Mein Lieblingsberg ist immer einer, auf dem ich noch nicht gewesen bin. Ein Sehnsuchtsort. Seit vier Jahren ist das die Dent Blanche zuhinterst im Walliser Val d’Hérens. Solange ich von ihr träume, ist sie auf meiner Agenda, baue ich eine Beziehung zu ihr auf. Ein sehr ästhetischer Berg, eine Art graue Eminenz: wuchtig, hoch, abgelegen und anspruchsvoll zu besteigen. Die Nachbarn Matterhorn und Weisshorn erkennt man sofort – und der Gipfel daneben? Das ist die Dent Blanche. Jeder hat wohl schon ein Bild vom Matterhorn gesehen, wie es sich idyllisch im Stellisee spiegelt. Würde man den Kopf etwas nach rechts drehen, sähe man auch das Spiegelbild der Dent Blanche – wunderschön.»
 

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  • Buchtipp: Caroline Fink, Marco Volken: «Die Viertausender der Schweiz»; AS-Verlag, 2015, 300 Seiten, d/e/f/i, vierfarbig, Fr. 69.–. Hier bestellen.
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Die schönsten Grate: Salbitschijen, UR, 2981 m ü. M.

Bild: Marco Volken

Emil Zopfi, 72, Schriftsteller und Kletterer

«Der Salbitschijen ist ein schöner Berg mit seinen steilen Granitplatten und der spektakulären Gipfelnadel. Als in den 1930ern das Klettern schwieriger Routen aufkam, waren seine Grate sehr begehrt, viele haben sich daran versucht, bis die Zürcher Brüder Amstad und Guido Masetto 1935 handstreichmässig den Südgrat schafften. Der längere, schwierigere Westgrat mit den fünf gewaltigen Türmen wurde zehn Jahre später von drei Waadtländern gemeistert, darunter eine Frau, die Fotografin Betty Favre.

Ich selbst habe diese Grate vor über 50 Jahren erklommen. Und im letzten Herbst kletterte ich noch einmal eine der ganz schwierigen Routen, den Villigerpfeiler. Als 16-Jähriger war ich Extremkletterer. Was wir machten, war manchmal wirklich gefährlich, aber ich brauchte dieses Risiko. Das Leben war langweilig, ich arbeitete in der Fabrik. Zudem erlebte ich eine schwierige Jugend; hatte früh meine Mutter verloren, fand keine Lehrstelle und wurde rumgeschubst – am Berg konnte ich selber bestimmen, was ich machte.

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Allerdings habe ich durchs Bergsteigen auch viele Freunde verloren, durch Steinschlag, Lawinen, Stürze – und mehrmals bin ich selbst dem Tod nur knapp entronnen, auch am Salbitschijen: Vom Fuss des Westgrats stiegen wir einmal im Frühling durch das lange Horefelli-Couloir ab. Wir waren kaum eine Viertelstunde aus der engen Rinne raus, als eine riesige Lawine zu Tal schoss. Durch diese Erlebnisse bin ich mit dem Salbitschijen sehr persönlich verbunden. Heute führt ein Bergwanderweg über eine Hängebrücke an den Fuss des Westgrats und über das Horefelli-Couloir. Durch diese Erschliessung begegnet man Leuten mit Wanderstöcken, wo wir früher nur unter grosser Gefahr hinkamen. Da kommt schon Wehmut auf nach dieser verlorenen Welt der Abenteuer.» 

 

  • Buchtipp: Emil Zopfi: «Dichter am Berg»; AS-Verlag, 2009, 376 Seiten, CHF 39.90. Hier bestellen.
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Der treue Freund: Titlis, OW, 3238 m ü. M.

Bild: Klaus Kranebitter

Matthias Trottmann, 40, Sportkletterer

«Ich bin dem Titlis verfallen. Er bringt meine Hände zum Schwitzen und meinen Geist zum Träumen. Imposante Felswände schmücken die Nord-, Ost- und Südseite des grauen Bollwerks. Vom Wendenjoch gibt er einen Blick hinter seine Schulter auf den Wendengletscher und das Gadmental frei. Die Nordwand wirkt wie ein Gemälde der Natur, doch schreitet man durch ihren Schatten, spürt man ihre Mächtigkeit. Sie lässt einen die eigene Kleinheit erahnen.


Diese Wand zu erklettern und eigene Wege durch den Fels zu finden macht süchtig. Nach etwa zwei Dritteln der insgesamt 500 Meter hohen Nordwand erreicht man das ‹Hotel Titlis›: Diese kleine Grotte in der Felswand diente mir und meinen Freunden während der Erstbegehung der Route Piz dal Nas als Biwakplatz. Trete ich nach einer Klettertour den Nachhauseweg nach Zürich an, spüre ich jedes Mal eine tiefe und ehrliche Zufriedenheit in mir. Und ungeachtet jeglicher körperlichen Strapazen freue ich mich auf ein Wiedersehen mit meinem standhaften, treuen Freund.»

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Der Hausberg: Zugerberg, ZG, 1039 m ü. M.

 

Bild: Andreas Busslinger

Stefan Kaufmann, 43, Gleitschirmpilot

«Jeder Gleitschirmpilot hat seinen ‹Hausberg›. Meiner ist der Zugerberg: Von meinem Haus aus sehe ich mit dem Feldstecher den Startplatz. Manchmal rufen Kollegen an und wollen wissen, wie die Bedingungen gerade sind. Wenn ich nicht da bin, gibt meine Frau Auskunft.

 


Seit ich Familie habe und mir nicht mehr so viel Zeit fürs Fliegen bleibt, schätze ich diese Überschaubarkeit besonders: Ich fahre mit dem Bus an den Bergfuss und steige dort in die Standseilbahn. Nach all den Jahren kenne ich den Berg genau; ich weiss, wo die Thermikschläuche stehen und wie ich sie anfliegen muss. Du hast nur einen oder zwei Versuche – sonst wird es ein kurzer Flug, und man muss runter nach Oberwil und landen. Weil der Startplatz so gut erschlossen ist, lockt er viele Gleitschirmflieger an. Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, war der Zugerberg ein Geheimtipp – und mit dem damaligen Material war es auch schwieriger, nach dem Start über die Bäume zu kommen. Heute ist es einfacher, moderne Schirme sind viel leistungsfähiger.

Mittlerweile wird der Berg sogar von Flugschulen genutzt. Umso schöner ist es natürlich, wenn man ihn mal für sich allein hat. Am besten fliegt sichs im Frühjahr, wenn die unterste Luftschicht noch labil ist, oder an Sommerabenden, wenn die Sonne von Westen die Bergseite wärmt. Über das Flachland und den See entlang über Städte zu fliegen ist etwas Besonderes. Und die Krönung: Ich lande nur ein paar hundert Meter von Zuhause.»

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Der Kraftort: Ortstock, GL, 2717 m ü. M.

 

Bild: Marco Volken

Gabi Aschwanden, 45, Hüttenwartin auf der Fridolinshütte und Wanderleiterin

«Wenn ich oben auf dem Ortstock bin, setze ich mich hin, stütze die Ellbogen auf die Knie und schaue mit dem Feldstecher ewig in mein Heimattal hinab. Der Adler kreist oft über dem Gipfel. Seine Freiheit ist hier oben förmlich zu spüren; die Gedanken bekommen Flügel, das Herz öffnet sich, wird leicht ruhig, und die Seele nimmt sich eine Auszeit. Der Ortstock ist für mich ein Kraftort! Als Hüttenwartin habe ich im Sommer nicht oft Zeit, weit weg zu gehen. Der Ortstock ist abgelegen, und es braucht Zeit, ihn zu besteigen. Mein Ziel ist, ihn mindestens einmal pro Jahr zu besuchen. Die beste Zeit ist der Hochsommer. Die Wanderung ist anspruchsvoll, technisch nicht sehr schwierig, aber der Altschnee, der im oberen Teil bis weit in den Sommer liegen bleibt, ist nicht zu unterschätzen.»

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Der coole Grenzberg: Galenstock, UR, 3586 m ü. M.

 

Bild: Thomas Senf/Visual Impact

Andreas Nagel, 40, Bergführer

«Den Galenstock finde ich cool, seine Lage auf der Grenze zwischen Zentralschweiz und Wallis ist speziell. Die markante Eiskuppe sieht man schon von weitem – ein schöner Berg! Auch die Aussicht vom Gipfel ist herrlich.

Meine Lieblingsroute ist der Aufstieg über den Südostsporn von der Sidelenhütte aus, eine Hochtour mit tollen Kletterpassagen. Der Fels ist super, auf der Schulter oben hat es wunderschöne Granitrücken. Dort habe ich schon biwakiert, Sonnenunter- und -aufgang waren grandios. Ein wunderschönes Plätzchen. Schade finde ich, dass am Galenstock wie an vielen Orten in den Alpen Routen durch Bohrhaken entschärft werden, obwohl man sich problemlos mit mobilen Sicherungsgeräten selber absichern könnte. Wenn das Können nicht ausreicht oder die Bedingungen nicht stimmen, darf man auch mal scheitern.

Ich musste auch schon auf einer Biwakhochtour – Galen-, Tiefen-, Rhonestock – umkehren, weil sich das Gelände verändert hatte und zu schwierig geworden war. Es war trotzdem grossartig.»

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