Finsteraarhorn (BE/VS; 4274 Meter über Meer)

Finsteraarhorn

Das Finsteraarhorn (Bild: Andreas Busslinger / Aura)

Quelle: Andreas Busslinger/Aura

Bedeutung des Namens

Der höchste Berg der Berner Alpen ist nach einem ­Flüsschen benannt, dessen Wasser etwas dunkler scheint als das der nahen Lauteraar. Es entspringt einem Gletscher, der ebenfalls seinen Namen trägt. Das Grundwort Aa(r) ist die germanische Bezeichnung für ein Fliessgewässer.

 

Churfirsten (SG; höchster Punkt: 2306 Meter über Meer (Hinterrugg))

Von links: Schibenstoll (2234), Zuestoll (2235), Brisi (2279), Frümsel (2263), Selun (2204 m ü. M.) – (Bild: Christof Sonderegger/Prisma)

Quelle: Andreas Busslinger/Aura
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Bedeutung des Namens

Ob mit der ­Bezeichnung die deutschen Kurfürsten gemeint sind oder ob sie von der Funktion des Bergkamms abgeleitet ist, der das Toggenburg von Churrätien trennt, ist unklar. Es gibt Belege für beide Theorien. Weit aus­einander liegen «First» und «Fürst» nicht: In vielen Schweizer Dialekten kommt «Fürschte» in der Bedeutung von «Firschte» vor. Die Namen der Gipfel sind älter. Der des steil aufragenden Frümsels (2. von rechts) etwa leitet sich vom althochdeutschen Wort frummen (vorwärtsbringen) ab und bedeutet der Vorstehende, Vorschiessende.

 

Eiger, Mönch, Jungfrau (BE/VS; 3970, 4107 und 4158 Meter über Meer)

Eiger, Mönch, Jungfrau (Bild: Alessandro Della Bella)

Quelle: Andreas Busslinger/Aura
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Bedeutung der Namen

Die Bezeichnung Eiger ist seit 1525 belegt. Möglicherweise verweist sie auf die Alp eines Mannes namens Agiger. Sie könnte aber auch ab­geleitet sein vom Flurnamen «Eigen» für ein freies, eigenes Gut. Der Mönch stand bis ins 19. Jahrhundert im Schatten seines Nachbarn und musste sich mit Bezeichnungen wie «Kleiner Eiger» begnügen. Erst mit dem aufkommenden Tourismus setzte sich der Name «Mönch» durch – eine scherzhafte Anspielung darauf, dass die Jungfrau für ihn unerreichbar ist. Diese ­verdankt ihren Namen den Nonnen des Klosters Interlaken, die am Fuss des ­Massivs eine Alp ­besassen.

 

Rigi (SZ; 1797 Meter über Meer)

Rigi (Bild: Stefan Huwiler/Prisma)

Quelle: Andreas Busslinger/Aura
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Bedeutung des Namens

Bis Ende des 19. Jahrhunderts glaubte man, die «Königin der Berge» verdanke ihren Namen dem ­lateinischen Wort regina (montium). Dabei hat die an Streifen erinnernde Struktur des Gipfels den Ausschlag gegeben: Rîga bedeutet im Althochdeutschen Reihe, Linie. Auch wenn manche von «dem Rigi» sprechen: Dass der Berg weiblich ist, ist bereits früh belegt, erstmals 1508.

 

Niesen (BE; 2362 Meter über Meer)

Quelle: Andreas Busslinger/Aura
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Bedeutung des Namens

Lange glaubte man, Niesen leite sich von der Nieswurz ab. Heute weiss man: Eine Alp am Berg gehörte dem Berner Burger Chunrad Niesso und gab dem Gipfel den Namen. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts trug er den Beinamen «zum wilden Andreas», wohl wegen der Sankt-Andreas-Kapelle, die einst am Berg stand.

 

Matterhorn (VS/Italien; 4478 Meter über Meer)

Matterhorn (Bild: Stephan Engler/Swissimage)

Quelle: Andreas Busslinger/Aura

Bedeutung des Namens

Als «Matte» bezeichnen die Älpler eine ertragreiche ­Alpwiese, die Heu für den Winter liefert. Im Wallis gaben sie gleich einem ganzen Tal und einem der schönsten Berge der Welt diesen Namen. Allerdings erst spät. Im Ober­wallis blieb Latein länger Amtssprache als anderswo, und Zermatt hiess bis weit in die Neuzeit Pratobornum: von Quellen um­gebene Matte. Der erste Beleg für «zer mat» (zur Matte) stammt aus dem Jahr 1539.

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«Berge bedeuten Heimat» – Linguistin Nathalie Henseler im Interview

­Nathalie Henseler hat Germanistik, Geographie und Geschichte studiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Schwyz.

Ihr Buch zum Thema heisst «Gipfelgeschichten. Wie die Schweizer ­Berge zu ihren Namen kamen»; Fona-Verlag, 2012, 180 Seiten, CHF 47.90

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Beobachter: Frau Henseler, woher rührt unsere Faszination für die Berge?
Nathalie Henseler: Berge bedeuten Heimat, sie sind ein Teil unserer Kultur, unserer Identität. Das hat aber nichts mit Heidi-Symbolik, Nostalgie und Kitsch zu tun. Versuchen Sie einmal, sich die Schweiz ohne Berge vorzustellen.

Beobachter: Das fällt einem tatsächlich schwer. Wie stark haben uns die Alpen geprägt?
Henseler: Mehr, als uns heute bewusst ist – und in allen Bereichen, von der Lebensmittel­herstellung wie dem Käsen bis zum ­Häuserbau. Wir sind ein Alpenstaat mit ­einer ­uralten Älplerkultur.

Beobachter: Wie kamen die Berge zu ihren Namen?
Henseler: Es waren wohl die Älpler, die sie erstmals benannt haben. Aufgelassene Siedlungsplätze zeigen, dass abgelegene Alpen schon vor über 1000 Jahren bewirtschaftet wurden. Schriftliches ist aus dieser Zeit aber nicht erhalten.

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Beobachter: Im Vergleich zu Fluren und Flüssen ­haben die Berge ihre Namen erst spät ­erhalten. Weshalb?
Henseler: Sie waren schlicht zu abgelegen. Felsen und vergletscherte Gipfel waren bis ins Mittelalter wirtschaftlich uninteressant. Erst als die Nahrung knapp wurde, drängte es die Bauern hinauf in abgelegene Ge­genden. Um sich orientieren zu können, gaben sie der alpinen Landschaft Namen.

Beobachter: Wie erfindungsreich waren diese ­Älpler?
Henseler: Die Älplersprache ist präzise: Sie kennt Dutzende von Wörtern für Eigenschaften der ­alpinen Landschaft. Eine Fluh ist eine steil aufragende Felswand, eine Balm eine Einbuchtung in einer Felswand, die Schutz vor Unwetter Schutz bietet. Die Sprache der Älpler ist aber auch ökonomisch und praktisch: Der Name von Berggipfeln leitet sich vielfach von der nahen Alp ab, wie etwa im Falle des Fronalpstocks. Die Form wird mit einem Zusatz wie «Spitz», «Horn» oder «Stock» beschrieben.

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Beobachter: Gibt es auch Berge, die erst in der ­Neuzeit zu ihrem Namen kamen? 
Henseler: Ja, der Mönch zum Beispiel. Er fristete lange Zeit ein Schattendasein als «der Berg neben dem Eiger». Erst seit 200 Jahren heisst er Mönch. Ein Scherzname, der auf die angrenzende Jungfrau Bezug nimmt.

«In vielen Fällen bleibt es rät­selhaft, weshalb sich eine bestimmte Bezeichnung für einen Berg durchsetzen konnte.»

Nathalie Henseler

Beobachter: Was macht einen Berg zu einem besonderen Berg? 
Henseler: Die Form ist zentral, aber auch die Per­spektive oder die geographische Lage. Berge muss man von den alten Siedlungsplätzen und Handelsrouten aus betrachten, um eine Ahnung von ihrer Bedeutung zu bekommen. Wichtige Berge tragen ­übrigens häufig einnamige Bezeichnungen wie ­Eiger oder Säntis – sehr alte ­Namen, die darauf hinweisen, dass sie an wichtigen Routen lagen und schon früh zur Orientierung dienten.

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Beobachter: Gibt es auch Berge, deren Namen sich im Verlauf der Geschichte geändert haben?
Henseler: Ja, das kommt häufig vor, meist in Grenzgebieten und aufgrund ungenauer ­Kartierung. Doch in vielen Fällen bleibt es rät­selhaft, weshalb sich eine bestimmte Bezeichnung durchsetzen konnte. Beim Titlis etwa, der früher zwei Namen hatte. Oder beim Ortstock, der im Kanton Schwyz bis Mitte des 20. Jahrhunderts noch Silberstock hiess.

Beobachter: Was halten Sie davon, Berge umzubenennen, weil der Namensgeber in Ungnade gefallen ist?
Henseler: Sie sprechen das Agassizhorn und den Forscher Louis Agassiz an, dem man ­Rassismus vorwirft? In einem solchen Fall ist eine Umbenennung sinnvoll. Nur müsste der neue Name den Eigenheiten des Bergs entsprechen. Den Namen durch einen anderen ­Personennamen zu ersetzen, halte ich für keine gute Lösung.

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BeobachterNatur: Manche Schweizer Berge wie das Matterhorn sind weltberühmt. Warum?
Henseler: Das Matterhorn ist ein majestätischer, atemberaubend schöner Berg. Die ersten Alpinisten, reisefreudige und abenteuerlustige Engländer, haben das Ihre dazu beigetragen, um seinen Ruhm in der Welt zu verbreiten.

Beobachter: Und welches ist Ihr Lieblingsberg?
Henseler: Der Rossberg oberhalb von Goldau, ­meinem Heimatdorf. Dort weideten im Sommer Pferde. Bekannt machte ihn der Bergsturz von 1806, der 457 Menschen das Leben kostete und den ganzen Landstrich verwüstete. Ein Unglück, das sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

Ausflugtipps

Eiger, Mönch, Jungfrau

Die Jungfraubahn führt durch Eiger und Mönch auf das Jungfrau­joch, die höchstgelegene Bahnstation Eu­ropas auf 3454 Metern über Meer.
www.jungfrauregion.ch

 

Churfirsten

Der familientaugliche Panoramaweg (45 Minuten) bietet eine spektakuläre Sicht auf Walensee und Rheintal. Start und Ziel sind bei der Bergstation
Chäserrugg. Anspruchsvoller ist der Toggenburger Höhenweg: 87 Kilometer in fünf Tages­etappen.
www.toggenburg.org

 

Finsteraarhorn

Wie eine Haifischflosse ragt das Finsteraarhorn zwischen Fieschergletscher und Finsteraargletscher in die Höhe. Der markante Zacken präsentiert sich am besten, wenn man von Bellwald VS per Sessellift zum Steibenkreuz hochfährt und von dort auf das Risihorn steigt. Eine Halb­tagestour für Wanderer, die sich auch in steilem Gelände wohlfühlen.
www.bellwald.ch

 

Rigi

Von Goldau, Vitznau und Weggis führen Bergbahnen auf die Rigi. Der Rigi-Klassiker führt in zweieinhalb Stunden von Kulm über Staffel, Staffelhöhe und ­Känzeli nach Kaltbad. Ein idealer Winterwanderweg.
www.rigi.ch

 

Niesen

Seit 1910 ist der Niesen mit einer Seilbahn erschlossen, die aber im Winter keine Touristen befördert. Am Niesenlauf spurten Bergläufer die 11'674 Stufen der längsten Treppe der Welt hoch. Weniger Sportliche geniessen auf einer zweistündigen Wanderung ab Schwandegg die Sicht auf den Thunersee.
www.niesen.ch

 

Matterhorn

Rund um Zermatt bewegen sich Wanderer auf spektakulären Höhen­wegen. Fünf Täler mit über 70 Routen stehen zur Auswahl, darunter die «Tour Matterhorn». Der Matterhorn-Trek führt durch die Hochgebirgslandschaft rund um Zermatt. Übernachten kann man in der Hörnlihütte auf 3260 Metern über Meer. Von dort brechen die Alpinisten im Morgengrauen zum Gipfel auf.
www.zermatt.ch

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