Der Weg ist das Ziel. Dieses Sprichwort gilt garantiert beim Pilgern. Seit Jahrhunderten nehmen Gläubige viel Mühsal und Entbehrung auf sich, um zu Fuss an einen Ort mit besonderer religiöser Ausstrahlungskraft zu wandern. Sei es in einer Lebenskrise, aus Überdruss oder einfach wegen des Gemeinschafts­erlebnisses der Begegnungen mit anderen Pilgern. Auch immer mehr Nichtgläubige schöpfen in dieser langsamen Reiseform Kraft, und spätestens seit der deutsche Komiker Hape Kerkeling seine Lebenskrise und Jakobsweg-Erfahrung zu einem Buch verarbeitet hat («Ich bin dann mal weg»), gilt Pilgern wieder als schick, als spirituelle Selbstfindung.

Flaschenöffner mit Pilgermotiven

Das Museum der Kulturen in Basel nimmt diesen Trend mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung auf. Man kann hören, wie Pilgergesänge im 11. Jahrhundert klangen, und nachlesen, welche Wunderheilungen sich im Kloster Mariastein zutrugen. Zu ­sehen gibts auch, wie sich die Ausrüstung veränderte: heute atmungsaktive High-Tech-Trekkingkleidung mit einem Tele­skop-Wanderstab, früher derbes Tuch und ein Holzstecken. Das Wort für Regenmantel stammt übrigens vom französischen «pèlerine», also Pilgerin, ab.

Praktisch gleich geblieben sind die Bilder, Kerzen und sonstigen Devotionalien, die es am Pilgerort zu kaufen gibt: Auch dem Wirtschaftszweig, der sich aus dem Wallfahren entwickelt hat, widmet sich die Basler Ausstellung. Kaum zu glauben, dass selbst Aschenbecher, Flaschenöffner oder Baby-Esslätzchen mit Pilgermotiven Absatz finden. Damit öffnet die Ausstellung nicht nur die Augen für die kulturhistorische Bedeutung des Pilgerns, sondern auch dafür, wie Frömmigkeit und Kitsch, Spiritualität und Kommerz voneinander abhängen können. So oder so ist Pilgern beeindruckend – der Eindruck muss ja nicht gleich so bleibend sein wie beim Hamburger Pilger Otto von Gröben, der sich anno 1669 seine Jerusalemreise auf den Unterarm tätowieren liess.

Klicken Sie auf die Grafik, um sie vergrössert darzustellen.

Quelle: Dario Pignatelli/Polaris/Dukas
Anzeige

Anreise: Ab Bahnhof Basel SBB mit Tram 2 bis Kunstmuseum, dann zu Fuss durch die Rittergasse zum Münsterplatz 20. Mit dem Auto die Innenstadt-Parkhäuser benützen.

Ausstellung: Das Museum der Kulturen ist täglich ausser montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, am ersten Mittwoch im Monat bis 20 Uhr. «Pilgern» ist bis zum 3. März 2013 zu sehen.

Selber pilgern: Der Kurator der Ausstellung «Pilgern» nimmt Sie mit auf einen Rundgang zu den Spuren der Pilger in Basel. An­schliessend Führung durch die Ausstellung. Nächster Rundgang ist am 25. November; Informationen über www.mkb.ch