Unablässig presst der Wind den Schnee ans Fenster, bis man nur noch auf Zehenspitzen stehend hinaussieht. Macht nichts, man sieht ohnehin nichts; der zugefrorene Stausee, nur 100 Meter entfernt, verschwindet im Nebel. Keinen Hund würde man jetzt vor die Tür jagen. Im Wintersturm macht das Grimsel Hospiz seinem Namen alle Ehre: Es gewährt den Reisenden Schutz in einer klirrend kalten Natur.

Hinter der trutzigen Fassade aus rauem, gebrochenem Granit verbirgt sich ein komfortables Berghaus. Behaglich geheizt, geschmackvoll eingerichtet, mit vorzüglicher Küche und aufmerksamem Service. Ob man im rustikalen Arvensaal vor dem knisternden Kaminfeuer sitzt oder im modernen Salon durch die raumhohen Fenster die gleissend weisse Bergwelt bestaunt – der Aufenthalt garantiert Besinnung und Ruhe vom hektischen Alltag. Anstelle einer trendigen Wellnessoase gibts einen holzbefeuerten Wasserbottich auf der meterhoch verschneiten Terrasse. Unberührt ist die Natur indes nicht; Staumauer und Hochspannungsleitungen machen klar, dass man in einer intensiv genutzten Gegend zu Gast ist. Das Hospiz gehört den Kraftwerken Oberhasli, und nur dank deren Infrastruktur lässt sich der Winterbetrieb bei geschlossener Strasse über den Grimselpass überhaupt aufrechterhalten.

Das Wetter als Risikofaktor

Anderthalb Stunden dauert die Anreise aus dem nur zehn Kilometer entfernten Dorf Guttannen: per Bus über Bergstrassen und durch ellenlange Stollen, zu Fuss über schmale Treppen und an dröhnenden Kraftwerkturbinen vorbei sowie mit zwei ansonsten nur für Material- und Personal­transporte zugelassenen Luftseilbahnen. Ist ein Strassenstück gesperrt, werden die Gäste in einer Stollenbahn hochgekarrt, in der es enger ist als in einer S-Bahn zur Stosszeit. Das ist alles ausgeklügelt und spannend, doch wenn das Wetter will, verlängert es Gästen den Aufenthalt im Hospiz ungefragt um ein paar Nächte. Auch gut. Die Erholung ist dann umso grösser.

Quelle: David Birri/Grimsel Hospiz
Anzeige

Reservieren: über Telefon +41 (0)33 982 46 111 oder www.grimselwelt.ch; Winterbetrieb bis Mitte April. 255 CHF pro Nacht und Gast (im Einzelzimmer 290 CHF), inklusive Kaffee-/Kuchenbuffet nach der Ankunft, ein Viergangmenü am Abend sowie Frühstücks-/Brunchbuffet.

Anreise: Mit dem Zug (via Bern–Interlaken oder Luzern–Brünig) nach Meiringen und weiter nach Innertkirchen. Dort, am Hauptsitz der Kraftwerke Oberhasli, kann man das Auto stehen lassen. Nach der Buchung erhält man detaillierte Informationen zur Weiterreise auf den Grimselpass.