Gut 1400 Höhenmeter sind auf dem Weg vom Urbachtal bis zur Gaulihütte zu bewältigen, ein bisschen Kondition braucht es dafür schon. Steil geht es dem Himmel entgegen, zunächst durch den Föhrenwald, dann auf einer wackligen Leiter über den Bach, hoch zur Alp Schrätteren und später über der Baumgrenze weiter. Da und dort liegt noch Schnee, links und rechts stürzen Bäche zu Tal. Germer, Berganemonen, Alpenrosen und Enzian säumen den Weg.

Auf 1850 Metern teilt sich dieser: Links führt er um den Mattenalp-Stausee herum zur Hütte, rechts gehts direkter, dafür erneut steil zum Ziel. Nach knapp fünf Stunden ist es geschafft, Hüttenwartin Susanne Brand begrüsst ihre Gäste mit einem Becher Tee. Die Zeit bis zum Abendessen vergeht bei einem Gläschen Gipfelwein auf der Terrasse wie im Flug.

Der Höhepunkt der Tour erwartet die Wanderer aber am zweiten Tag. Nun ist der Pfad weiss-blau-weiss markiert: Schwindelfrei und trittsicher muss sein, wer sich für diese Route entscheidet (Variante siehe Karte). Schon bald stehen wir auf einer ­felsigen Aussichtsplattform mit Blick über den Gauligletscher, der bis vor ein paar Jahren in den See kalbte. Einige Eisblöcke schwimmen noch darin, bald werden auch sie verschwunden sein.

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Durch Ketten und Bügel gesicherte Abstieg zum See

Quelle: Conny Schmid

Zum Finale drei mächtige Wasserfälle

Dafür dürfen die Wanderer dereinst auf ein anderes Spektakel hoffen: 1946 stürzte eine amerikanische Dakota auf den Gletscher ab. Die Insassen, Generäle, ihre Gattinnen und ein Mädchen, überlebten. Die Rettung gestaltete sich schwierig. US-Hilfstruppen versuchten mit Panzern (!) auf den Gletscher zu gelangen. Sie warfen Whisky, Nylonstrümpfe, Wasser und Kohlensäcke ab und erschlugen damit um ein Haar jene, die im Eis ausharren mussten. Am Ende gelang einheimischen Bergführern nach 15-stündigem Aufstieg eine spektakuläre Rettung.* Die Dakota versank im Gletscher – ein Propeller tauchte kürzlich wieder auf.

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Für die Wanderer heisst es zunächst einmal abtauchen: 150 Meter geht es über den Felsen hinunter zum See. Der Weg ist mit Ketten und Bügeln gesichert und nichts für Anfänger. Unten führt er über abgeschliffene Felsen zu drei imposanten Wasserfällen. Neben diesen geht es wie­derum über Ketten und Bügel hinunter, ­geradewegs hinein in den in der Gischt schimmernden Regenbogen.

Quelle: Conny Schmid

Anreise: Mit dem öffentlichen Verkehr bis Innertkirchen, dann per Taxi zum Parkplatz Mürvorsess im Urbachtal.

Variante: Die Kletterpartien lassen sich über den orange eingezeichneten Weg umgehen.

Übernachten: Gaulihütte 37 Franken (Halbpension zusätzlich 34 Franken), für SAC-Mitglieder reduziert; Anmeldung unter Telefon 033/971 31 66
www.gauli.ch

*Film: «Drama am Gauligletscher», 2011

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