Junkies entsprechen heutzutage nicht mehr unbedingt dem Klischee des verwahrlosten Drogensüchtigen. Im Gegenteil, etliche von ihnen sind durchtrainierte Muskelpakete. Deutsche Studien kommen zum Schluss, dass sich rund jeder fünfte Besucher von Fitnessstudios dopt. Die Kunden sehen ihren Körper als Statussymbol, an dem es zu arbeiten gilt – mit hartem Training, disziplinierter Ernährung, aber auch mit sogenannten Kuren, also dem Einsatz von Anabolika.

Parallel dazu hat sich die Wahrnehmung des Bodybuildings verändert. Was früher ein eher schräges Hobby war, gilt heute als ganz normale Steigerung des persönlichen Marktwerts. Derzeit läuft in der Kunsthalle Zürich gar eine Ausstellung über Body­building als Kunst.

Häufig aber entsteht aus dem Wunsch, seinen Körper zu perfektionieren, eher das Gegenteil. Es entwickelt sich eine Sucht nach schnellen Fortschritten, und der vermeintliche Selbstoptimierer wird so zum Getriebenen.

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«Dass Anabolika riskant für die Gesundheit sind, wird ignoriert oder kleingeredet.»

Matthias Pflume

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Es ist erschreckend, wie stark die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bei Jugendlichen gewachsen ist. Laut der Gesundheitsförderung Schweiz mochten 20 Prozent der Knaben im Jahr 1993 ihren Körper nicht; heute sind es bereits 44 Prozent. Weil jedoch die körperliche Konstitution zum allergrössten Teil genetisch bestimmt ist, reicht Training allein nicht aus, um irgendwann wie Arnold Schwarzenegger auszusehen. Dass Anabolika riskant für die Gesundheit sind, wird entweder ignoriert oder zumindest kleingeredet. Etwa so: Wer sich mit Doping einen Vorzeigekörper verschaffe, schade ­seiner Gesundheit sicherlich weniger als ein Raucher. Der Zweck heiligt die Mittel.

Doping im Freizeitbereich, ausserhalb von offiziellen Wettkämpfen, wird strafrechtlich nicht verfolgt. Aber es ist illegal, Anabo­lika jenseits von behördlicher Kontrolle herzustellen, zu importieren und mit ihnen zu handeln. Die Titelgeschichte von Thomas Angeli und Otto Hostettler befasst sich vor allem mit den kriminellen Aspekten von Anabolika.

Parallelen zum klassischen Drogenhandel

Die Autoren zeigen, wie das Geschäft funktioniert und wie schwer sich die Strafverfolger mit dieser Form der organisierten Kriminalität tun. Die leistungssteigernden Substanzen sind vergleichsweise leicht herzustellen, buchstäblich in der eigenen Küche – unter entsprechenden hygienischen Bedingungen. Der Stoff wird in abgeschlossenen Milieus der Fitnessszene an die Abnehmer gebracht, mit haarsträubend hohen Gewinnmargen. Klare Parallelen zum klassischen Drogenhandel, findet der deutsche Staats­anwalt und Dopingbekämpfer Sebastian Wussler.

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Der neue Beobachter ist da!

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Der Muskel-Wahn» sowie das Interview mit Dopingexperte Sebastian Wussler in der aktuellen Beobachter-Ausgabe.

Weitere Themen des Hefts: Terror – die Radikalisierung geschieht im Internet. Ärger im Restaurant – 11 Fragen, 11 Antworten. Saisonniers – wie Skilehrer dem Winter nachreisen.

Der Beobachter 24/2015 erscheint am Freitag, 27. November. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Thinkstock Kollektion