1. Der Kälteschock

Die einfachste Methode, sich unerwünschter Gäste zu entledigen, ist das Öffnen der Fenster. Natürlich funktioniert das nur während der kalten Jahreszeit. Finden Sie einen guten Vorwand, wie den Gestank des Raclettes oder den Rauch von Zigaretten. Bestehen Sie darauf, lange zu lüften, auch wenn sich bei sämtlichen Tischnachbarn die Lippen blau färben. Besonders weibliche Gäste reagieren auf diese Methode äusserst sensibel.

2. Der Putzwahn

Da Sie so oder so vor einem Berg Geschirr stehen, können Sie die Zeit sinnvoll nutzen und schon mal mit dem Abwasch beginnen. Geben Sie klar an, dass es Ihnen unmöglich ist, das am darauffolgenden Tag zu erledigen, da Sie schon frühmorgens ein Berg Arbeit oder der Besuch der Schwiegereltern erwartet. Wenn Sie Glück haben, sind die Anwesenden zu faul, um mitzuhelfen, und verabschieden sich. Im gegenteiligen Fall führt Ihr Leiden wenigstens zu mehr Sauberkeit.

3. Die Gähn-Nummer

Es wäre unhöflich, sich den Pyjama überzustreifen und schon mal die Zähne zu putzen. So erweisen sich deutliche Anspielungen in diese Richtung als sinnvoll. Gähnen Sie, sooft es geht, und reiben Sie sich ständig die Augen. Entschuldigen Sie sich stets dafür. Das setzt zusätzlichen Druck auf. Wer sich nun nicht vom Acker macht, ist schlicht unsensibel.

4. Die Dia-Show

Veranstalten Sie eine Dia-Show. Möglichst von jenen Ferien, in denen Sie Ihre neu gekaufte Superkamera an allerhand Kirchen und sonstigen Gebäuden ausprobieren mussten und deshalb 800 Bilder vorzuweisen haben. Referieren Sie möglichst lange zu den einzelnen Bildern. Nach frühestens 50 Bildern fragen Sie, ob Sie weitermachen sollen. Jeder Anwesende wird diese Chance nutzen, Ihre Wohnung fluchtartig zu verlassen. Aber Achtung: Sollten Sie als Stimmungskanone gelten, die selbst langweiligste Situationen in ein Gagfeuerwerk verwandeln kann, verzichten Sie besser auf diese Methode.

5. Die Schallmauer

Erkundigen Sie sich beiläufig nach dem Musikgeschmack Ihrer Gäste und untermalen Sie den Abend dementsprechend. Wenn Sie langsam von allen genug haben, legen Sie bewusst etwas auf, was niemand hören will, und singen lautstark mit. Geben Sie zu erkennen, dass Sie diese Musik aus Stimmungsgründen jetzt unbedingt hören oder vorführen müssen. Meist sind deutsche Schlager, Death Metal und allen voran Walgesänge sichere Werte, um Ihre Wohnung verwaisen zu lassen.

6. Die Entziehungskur

Gesellige Abende neigen dazu, in die Länge gezogen zu werden, wenn der Alkoholversorgung der Gäste keine Grenze gesetzt wird. Legen Sie die durstigen Kehlen also frühzeitig trocken, wenn Sie nicht stundenlang lallenden Gesprächen lauschen wollen. Verstecken Sie Ihre Hausbar unter dem Bett oder bringen Sie sie dem Lieblingsnachbarn zur Aufbewahrung vorbei. Auch wenn er sich schamlos bedient, wird er mehr Grappa und Porto übriglassen als die gierigen Gästekehlen. Sind sie einmal trockengelegt, setzt bei den meisten eine plötzliche Müdigkeit ein, die die Lust aufs heimische Bett unermesslich steigert.

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7. Die Partner-Nummer

Kuscheln Sie sich eng an Ihren Partner. Küssen Sie ihn alle zehn Minuten innigst. Verkürzen Sie die Abstände zusehends von zehn auf fünf Minuten. Jedem sollte nun klarwerden, dass Sie ganz, ganz kurz vor einem Rückzug ins Schlafzimmer stehen. Allerdings eignet sich diese Methode nicht in grösseren Gruppen. Am wirksamsten ist sie, wenn ausser Ihnen und Ihrem Partner nur noch eine Person am Tisch sitzt. Aber auch allzu freizügige Gäste sollten nicht zugegen sein, sonst werden Sie mit Sicherheit dazu gezwungen sein, Luftmatratzen aufzublasen.