«Der Berg ruft»: Dies scheint das aktuelle Credo der Hersteller von Elektrovelos zu sein. «Unsere ­E-Bikes machen jeden Berg zum Bergli», heisst ein Slogan. Oder: «Mit dem Black Night kommst du problemlos über Stock und Stein.»

Während das Elektrovelo einst dazu diente, die Mobilität im Alter auf umweltfreundliche Weise zu sichern, wird nun ­vermehrt auf eine jüngere ­Zielgruppe gesetzt. Offenbar mit Erfolg: «Die Verkaufszahlen der Mountain-E-Bikes steigen», sagt Thomas Schröder, Direktor Marketing und Kommunika­tion von M-Way.

Nur: Mit den Bildern von ­E-Bikern im Gebirge führen die Hersteller ihre Kunden auf eine falsche Fährte. Wer den Bikern in den Prospekten nacheifert, macht sich unter Umständen strafbar. Laut Gesetz müssen Elektro-Motorfahrräder, deren Höchstgeschwindigkeit mit Tretunterstützung über 25 Kilometer pro Stunde beträgt, mit einem Kontrollschild versehen werden und sind auf Wald- und Wanderwegen verboten. Die maximal unterstützte Geschwindigkeit diverser Elektrovelos beträgt jedoch 45 Kilo­meter pro Stunde.

Tiere werden aufgescheucht

Kurt Schär, Geschäftsführer von Biketec, ist es wichtig, dass seine Kunden die Rahmenbedingungen einhalten: «Im Wald haben schnelle E-Bikes nichts zu suchen.» Dass in Biketec-Prospekten Gegenteiliges gezeigt wird, begründet er damit, dass man in der Werbung immer etwas weiter gehe, als es in der Realität möglich sei: «Das ist völlig normal.»

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Dass nun auch einer weniger sportlichen Gruppe ermöglicht wird, durchs Gelände zu rasen, freut nicht alle. Urs Amstutz, bis Ende März Direktor von Waldwirtschaft Schweiz, sagt: «Momentan bereiten uns vor allem die normalen Mountainbiker Sorgen. Kommen noch die E-Biker dazu, steigert das die Problematik.» Neben Konflikten zwischen Spaziergängern und Bikern fürchtet Amstutz die Belastung von Flora und Fauna: «Bewegen sich die Biker ausserhalb der vorgesehenen Routen, gefährden sie die Verjüngung des Waldes und stören die Brut- und Setzplätze von Vögeln und Wildtieren.»

Beim Schweizer Alpen-Club (SAC) haben sich bisher keine Wanderer über E-Biker beklagt. Wobei: «Fährt ein Biker in ­hohem Tempo vorbei, kann schlecht unterschieden werden, ob er ein Mountain- oder ein E-Bike fährt», gibt Chris­tian Frischknecht, Bereichs­leiter Bergsport und Jugend des SAC, zu bedenken.

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Der SAC schliesst sich der Position der Schweizer Wanderwege an, die für ein rücksichtsvolles Mit- und Neben­einander von Wanderern und Mountainbikern eintreten. Elektrovelos, die mehr als 25 Kilometer pro Stunde erreichen können, werden jedoch – abseits von öffentlichen Strassen – ausdrücklich abgelehnt.