Üblicherweise bleibt das gusseiserne Tor geschlossen – doch mehrmals pro Woche gehen die Pforten auf – dann dürfen Besucher eine Stunde lang in eine fremde Welt blicken, eine Welt, deren Erschaffung in der Abgeschiedenheit von Engelberg im Jahr 1120 begann. Im imposanten weissen Gebäude leben und arbeiten 24 Benediktinermönche. Der älteste ist 88 Jahre alt, der jüngste 25.

Zweieinhalb Stunden lang wird gebetet

Wegen mehrerer Brände ist der heutige barocke Bau «nur» rund 300 Jahre alt. «Das letzte Feuer entzündete sich, weil ein Chemielehrer etwas übereifrig war», sagt Bruder Thomas, der die Gruppe durch die Gemäuer führt. Der Lehrer habe den Abt beeindrucken wollen und mit den Schülern eine Rakete gebastelt. Die setzte jedoch im Jahr 1729 den Dachstock und in Folge das gesamte Gebäude in Brand. Trotz der unerfreulichen Erfahrung betreibt das Kloster Engelberg bis heute ein Gymnasium und ein Internat. Zweieinhalb Stunden beten die Mönche jeden Tag gemeinsam, das erste Mal frühmorgens um halb sechs. Jeder hat eine auf ihn zugeschnittene Arbeit, Geld gibt es dafür nicht. Wenn die Mönche Ferien machen wollen, müssen sie bei der Klosterleitung um Geld bitten.

Zum Kloster gehört auch eine Schau­käserei, in der die Besucher zusehen können, wie die würzige «Engelberger Klosterglocke» entsteht, zudem eine Schreinerei, eine Schlosserei, eine Gärtnerei und ein Blumenladen.

Wer nach dem Besuch in Engelberg bleiben möchte, kann mit der Seilbahn auf den Titlis fahren, wo es eine Eisgrotte und eine Hängebrücke über eine tiefe Schlucht gibt, oder in der Gegend um den Trübsee zahlreiche Wanderungen verschiedener Schwierigkeitsstufen unternehmen.

Anreise: Von Luzern fährt jede Stunde ein Zug nach Engelberg. Das Kloster ist gut fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt.

Programm: Führungen finden Mittwoch bis Samstag statt, während der Sommermonate um 10 und um 16 Uhr, sonst nur
um 16 Uhr. Samstags um 16 Uhr ist auch der Ausstellungsraum zu besichtigen. Dort lagert Wertvolles aus 800 Jahren. Die Führungen kosten für Erwachsene 8 Franken, Kinder bis 12 sind gratis. Für kleinere Kinder ist die Führung weniger geeignet, ab ungefähr acht Jahren kann sie jedoch interessant sein.

Anzeige

Klicken Sie auf die Karte, um sie vergrössert anzuzeigen

Quelle: Christian Perret/Swiss Image