«Grüezi, Herr Kaiser!» So wurde der letzte österreichische Kaiser Karl von den Nachbarn gegrüsst, als er samt Familie im Frühling 1919 auf Schloss Wartegg am Bodensee Zuflucht fand.

Heute muss man keinen Adelstitel mehr tragen, um im Ritterschloss von 1557 zu nächtigen: Die aktuellen Besitzer, die Familie Mijnssen, retteten die geschichtsträchtigen Mauern vor dem Verfall und erweckten das Anwesen 1998 zu neuem Leben – als Hotel, Restaurant und Veranstaltungsort für klassische Konzerte und Ausstellungen. 

Die Renovation nach baubiologischen Grundsätzen ist dem Schloss gut bekommen: Das Gebäude strahlt eine heitere Leichtigkeit aus. Beim Eintreten überträgt sich eine wohltuende Ruhe auf den Gast, und nach einer Nacht in einem der gesunden Betten ist der hektische Alltag weit weg. Schloss Wartegg bietet nicht Fünf-Sterne-Komfort, sondern aufs Wesentliche reduzierten Luxus: aufs Natürliche, Schlichte, Hochwertige. Die fast klösterlich-nüchtern wirkenden Zimmer sind mit Naturmaterialien gestaltet, im Bad liegt Biokosmetik auf, und zum Frühstück gibt es Eier von glücklichen Hühnern, selbstgemachte Biokonfitüre und Fairtrade-Orangensaft.

Quelle: Daniel Ammann

Und abends pilgern die Geniesser Hotelgäste wie Einheimische ins Restaurant und lassen sich von Küchenchef Dirk Schuck biologische Köstlichkeiten auftischen, die den Vergleich mit Gourmet-Tempeln nicht zu scheuen brauchen. Die lauwarme Tomatentarte schmeckt köstlich, die Tagliolini wie bei der Nonna, und die Extrakalorien der Apfelcreme «Schloss Wartegg» nimmt man gern in Kauf. Das Fleisch stammt von Biohöfen aus der Region, der Fisch Zander, Felchen und Egli – aus dem Bodensee.

Das meiste, das auf dem Teller landet, kommt aber aus dem 2500 Quadratmeter grossen, biologisch-dynamisch angebauten Schlossgarten. Im konzentrisch angelegten «Paradiesgarten» holen die Köche frische Kräuter, und die Gäste stiefeln zwischen den Beeten hindurch und bewundern seltene Obst- und Gemüsesorten wie japanische Weinbeeren, Stachis oder das Distelgewächs Kardy – laut Schlossgärtner Matthias Thalmann «das gesündeste Gemüse überhaupt». Ein Schaugarten sei die Anlage allerdings nicht: «Die schönsten Gemüse, Beeren und Blumen werden gleich geerntet», sagt der drahtige Naturbursche, der auch dafür sorgt, dass im Schloss immer frische Blumen stehen.

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Die Besitzerfamilie Mijnssen, die mit ihren drei Kindern im obersten Stock eines Gebäudeflügels wohnt, legt Wert auf Nachhaltigkeit. Das zeigt sich auch in der Umgebung: Der 13 Hektaren grosse englische Park wirkt alles andere als gepützelt. Die Natur, jahrzehntelang sich selbst überlassen, wird nur sachte wieder in Form gebracht. Kürzlich wurde der Park als nationales Gartendenkmal unter Schutz gestellt – gerade rechtzeitig, um die drohende Überbauung im westlichen Teil zu verhindern. Die geschichtsträchtige Idylle auf dem Rorschacherberg scheint eine Zukunft zu haben.

Die schönste Badewanne der Schweiz

Quelle: Daniel Ammann

Gärtner Matthias Thalmann und Koch Dirk Schuck

Quelle: Daniel Ammann
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Appenzeller Witzwanderweg
Die «witzigste Wanderung» der Schweiz führt von Heiden via Wolfhalden nach Walzenhausen. Mit Blick aufs Schwäbische Meer kommt man auf dem Witzwanderweg dem Kulturgut Appenzeller Witz auf die Spur. www.witzweg.ch

Hundertwasser-Architektur
Einen Steinwurf vom Flugplatz Altenrhein entfernt steht ein bizarrer Bau mit goldenen Kuppeln, farbigen Säulen, schrägen Wänden, seltsamen Rundungen und Fenstern – ein Hundertwasser eben. Die 2001 eröffnete Markthalle ist das einzige Schweizer Bauwerk des berühmten Wiener Architekten und Künstlers – und ein Touristenmagnet. www.markthalle-altenrhein.ch

Quelle: Daniel Ammann

Kurort Heiden mit Dunant-Museum
In den einst berühmten Molkekurort -Heiden reist man heute wie damals bequem mit der 1875 eröffneten Rorschach-Heiden-Bergbahn. Henri Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, verbrachte seinen Lebensabend im «Biedermeierdorf» – und wurde mit einem Museum gewürdigt. www.dunant-museum.ch

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Quelle: Daniel Ammann