Verlaufen? Verfahren? Verloren? Das war einmal. Dank der Navigationshilfe GPS (Global Positioning System; siehe «Das GPS-Prinzip») findet heute jeder Naturliebhaber den richten Weg – vielleicht sogar einen besonders schönen, den normalerweise nur die Einheimischen kennen.

Denn immer mehr innovative Tourismusregionen und passionierte Outdoor-Sportler stellen ihre schönsten Tourentipps ins Internet – inklusive GPS-Daten. Diese sogenannten Tracks machen den eigentlichen Reiz des GPS aus: Dank den digitalen Wegmarken finden Wanderer verschlungene Pfade, Biker fahrbare Trails und Velofahrer Nebenstrassen ohne Verkehr, und das in der Regel ohne in einer Sackgasse zu landen oder auf den Holzweg zu gelangen.

Quelle: Thinkstock Kollektion

Mobile Verbindung statt Kabelsalat

Mittlerweile bieten diverse Tourenportale Apps an (siehe unten: «Im Netz»). Auf gps-tracks.com zum Beispiel finden sich mehr als 7000 Vorschläge für Tourengänger, die zu Fuss, auf Rädern oder im Schnee unterwegs sind. Sie enthalten neben den GPS-Daten einen kurzen Beschrieb, der jeweils über die ungefähre Dauer, die zurückzulegenden Kilometer, das Höhenprofil, zu erwartende Highlights sowie allfällige Gefahren informiert. Zudem liefern sie den Kartenausschnitt von Swisstopo im Massstab 1: 25'000.

Will man den kostenlosen Service in Anspruch nehmen, braucht man bloss die App zu installieren – was mit einem Fingertipp auf das Smartphone bereits erledigt ist. Das umständliche Verkabeln des mobilen Geräts mit dem Computer erübrigt sich, weil die Trackdaten via Telefonverbindung aufs Handys übermittelt werden. Auch das Problem mit den unterschiedlichen Formaten entfällt, denn die Applikation wandelt die Daten, falls nötig, gleich selber um.

Technikfreaks verlieren ihr Monopol

Unterwegs zeigt das GPS-Gerät den ak-tuellen Standort jeweils als pulsierenden Punkt oder Keil auf der digitalen Karte, die man auf dem Display ein- und auszoomen kann. Der Weg ist farbig markiert. Befindet man sich auf dem richtigen Pfad, liegt der Punkt oder Keil auf der eingezeichneten Route. Sobald sich die Markierung vom Pfad wegbewegt, weiss man, dass man eine Abzweigung verpasst hat.

Genaue Standortbestimmung und Zugriff auf die Tipps von Kennern sind schlagende Argumente für den Einsatz der Hightechkarten. Trotzdem konnten sich bis vor kurzem fast ausschliesslich Technikfreaks für die satellitengestützte Orientierung begeistern. Denn GPS-Geräte sind teuer und haben ihre Tücken. Das günstigste Modell des Marktführers Garmin zum Beispiel kostet 429 Franken. Dazu kommen noch 300 Franken für das Kartenmaterial von Swisstopo. Und möchte man von den Tracks anderer profitieren, muss man das Gerät vor der Tour mit dem Computer verbinden – und sich zuweilen mit unterschiedlichen Dateiformaten und Problemen beim Herunterladen herumschlagen.

Doch jetzt wird GPS massentauglich: Heute gibt es Applikationen (besser bekannt als Apps) für Smartphones, die annähernd den gleichen Service bieten wie Navigationsgeräte – und das praktisch kostenlos.

Ohne Empfang keine Orientierung

Den Computer braucht man theoretisch nur noch, wenn man das Kartenmaterial oder den Tourenbeschrieb ausdrucken will. Ein Blick auf die Website lohnt sich aber trotzdem. Sie liefert einen guten Überblick über die vorhandenen Touren und bietet Extrafunktionen. So kann man zum Beispiel eigene Routen planen und einzeichnen, indem man mit der Maus Wegmarken auf der Karte setzt, oder anderen Usern persönliche Geheimtipps mitteilen. Im Programm Google Earth lassen sich die Touren sogar fotorealistisch «abfliegen». Und nicht zu vergessen: Der Bildschirm des Computers ist grösser und übersichtlicher als das Display eines Smartphones, was bei Auswahl und Planung einer Tour von Vorteil sein kann.

Das Smartphone hat gegenüber richtigen GPS-Geräten allerdings auch Nachteile, derer man sich bewusst sein muss: Hat man die Swisstopo-Karte nicht installiert, zeigt das Handy den Track und die eigene Position hin und wieder bloss auf einer weissen Fläche an – und zwar immer dann, wenn es keinen Empfang hat. Das ist vor allem in abgelegenen Regionen und engen Bergtälern häufig der Fall. Dabei ist gerade hier eine gute Orientierung besonders wichtig. Wer also gerne abseits der Zivilisation unterwegs ist, installiert mit Vorteil die kostenpflichtige Swisstopo-Karte auf dem Smartphone. Das Material für die ganze Schweiz kostet 498 Franken, für einzelne Kartenausschnitte von der Grösse des Kantons Zug bezahlt man Fr. 3.60.

Für Leute, die kaum im alpinen Raum unterwegs sind, empfiehlt sich das kostenlose Kartenmaterial des Portals openstreetmap.org. Die Website wird von Freiwilligen gepflegt, die mittels GPS-Logger Gebiete kartografieren und die gesammelten Geodaten ins Netz stellen. Das Kartenmaterial ist allerdings qualitativ nicht mit demjenigen von Swisstopo zu vergleichen und darum für heikle Expeditionen nicht geeignet.

Handys sind oft eher chic als stabil

Nicht so leicht aus der Welt zu schaffen wie das Kartenproblem sind die technischen Unzulänglichkeiten der Smartphones: Im Gegensatz zu reinen GPS-Geräten bieten Handys normalerweise keinen barometrischen Höhenmesser, der die Höhe über Meer anhand des Luftdrucks berechnet. Smartphones beziehen die Höhenangaben über Satelliten, was jedoch mit Ungenauigkeiten verbunden ist. Zudem sind viele Smartphones für den Outdoor-Bereich zu wenig robust, das Display ist nicht hell genug und der Akku für längere Touren zu schwach. Vor allem der Pionier unter den Handys der neusten Generation, das weitverbreitete iPhone, wird diesen erhöhten Anforderungen in der Natur nicht gerecht.

Christian Steiner von gps-tracks.com geht aber davon aus, dass die Smartphones bald outdoortauglicher werden: «Unsere App ist bereits mehr als 165'000-mal installiert worden, und an einem sonnigen Wochenende haben wir mehr als 20'000 verschiedene Nutzer.» Der Markt werde auf diese Bedürfnisse reagieren. Heute engagiere sich im Outdoor-Bereich bloss Motorola mit einem Modell, das über ein kratzfestes Display und eine wasserdichte Hülle verfügt. Ausserdem glaubt Steiner, dass die Preise der GPS-Geräte aufgrund der Konkurrenz durch Smartphones fallen werden. «Es kann allerdings auch sein, dass die GPS-Hersteller einfach immer mehr Funktionen einbauen, die das Handy nicht bieten kann, und sich auf diese Weise eine Nische schaffen.»

So oder so: Man braucht nicht zwingend ein Smartphone oder GPS-Gerät zu besitzen, um die Hilfe aus dem Weltall in Anspruch nehmen zu können: Einsteiger haben auch die Möglichkeit, sich ein GPS-Gerät auszuleihen. Viele Tourismusvereine und spezialisierte Anbieter stellen diesen Service zur Verfügung (siehe nachfolgenden Hinweis «Im Netz»).

Einen Wermutstropfen gibt es für all jene, die meinen, man benötige dank den cleveren Geräten keine Karten und keinen Kompass mehr: Diese bewährten Orientierungshilfen gehören trotzdem in den Rucksack, wenn man eine Tour abseits der Zivilisation plant. Denn egal, ob man sich für das multifunktionale Smartphone oder das spezialisierte GPS-Gerät entscheidet: Die Technik kann jederzeit aufgrund eines Defekts, eines leeren Akkus oder schwachen Empfangssignals aussteigen.

Das GPS-Prinzip: So funktioniert die satellitengestützte Orientierungshilfe

Das Global Positioning System (GPS) wurde ursprünglich für das Militär entwickelt. Es basiert auf einem Netz von Satelliten. Anhand der Zeitspanne, die ein Signal vom Gerät zum Satellit und zurück braucht, berechnet das Gerät die Entfernung zum Satelliten. Besteht Kontakt zu mindestens drei Satelliten, kann das Gerät mittels Triangulation seine Position auf der Erdkugel bestimmen – bei guten Bedingungen bis auf wenige Meter genau. Für die ­Berechnung der Höhenlage braucht es vier Satelliten. Dichter Wald und enge Täler können den Kontakt zu den Satelliten stören. Bei den meisten Smartphones sind inzwischen auch GPS-Empfänger eingebaut.

Im Netz: Tourenportale und GPS-Vermieter

www.gps-tracks.com: Datenbank mit über 7000 Touren im Alpenraum. Gute Auswahl, da die Daten vor allem von Tourismusvereinen stammen. Das Kartenmaterial ist von Swisstopo. Auch Verleih von GPS-Geräten.

www.gpsies.com: Datenbank mit über 16'000 Tracks für die Schweiz und 638'000 globalen Tracks. Die Daten stammen von den Nutzern.

www.gps-tour.info: Datenbank mit 47'000 Tracks für den deutsch-sprachigen Raum. Grosse Auswahl vor allem für Velofahrer und Biker.

www.bike-gps.com: Portal mit redaktionell bearbeiteten kostenpflichtigen Tourdaten für Mountainbiker.

www.rent-a-navi.ch: Vermietung von GPS-Geräten für Fr. 9.50 pro Tag (Mindestmietdauer 5 Tage).

Buchtipps

Tom Bierl und Thomas Rögner: «GPS am Fahrrad. Technik und Tourenplanung einfach erklärt»; Delius-Klasing-Verlag, 2010, 120 Seiten, CHF 24.90

Uli Benker: «GPS auf Outdoor-Touren. Praxisbuch und Ratgeber für die GPS-Navigation»; Bruckmann-Verlag, 2011, 240 Seiten, CHF 33.90