Als Reaktion auf die Übernahme der traditionsreichen Eichhof-Brauerei durch den Heineken-Konzern braute David Schurtenberger vor sechs Jahren mit Kollegen einen ersten 30-Liter-Sud eigenes Bier. Aus den Gehversuchen in der Waschküche entstand eine veritable Kleinbrauerei mit einer Jahresproduktion von inzwischen fast 1800 Hektoliter Frischbier: nicht filtriert, unpasteurisiert, naturbelassen.

Zum Sortiment der Brauerei Luzern gehört auch das untergärig gebraute Saisonbier Schnitter, benannt nach sichelbewehrten Erntehelfern.

Zur Person

David Schurtenberger, Gründer und Geschäftsführer Brauerei Luzern AG

Quelle: private Aufnahme

Beobachter: Das Schnitter wird für seinen «typisch herbstlichen Geschmack» gepriesen. Was macht einen Biergeschmack herbstlich?
David Schurtenberger:
Knifflige Frage! Letztlich steht dahinter ein Gedankengang mit Bildern im Kopf. Wie ist Luzern im Herbst? Oft neblig. Was passt zu Nebel? Rauch. So kreierten wir ein Bier mit einer rauchigen Note, etwas dunkler in der Farbe. Irgendwie melancholisch.

Beobachter: Wie haben Sie das hinbekommen?
Schurtenberger: Durch eine Variation von fünf verschiedenen Malzsorten, darunter eine wohldosierte Portion Rauchmalz.

Beobachter: Wie erfindet man ein neues Bier?
Schurtenberger: Wir pflegen nicht den Mythos vom geheimnisumwitterten Tüfteln im Hexenkeller. Es ist viel profaner: Wir haben einen guten Braumeister, der ein immenses Bierwissen verinnerlicht hat. Er überlegt sich etwas, und schon ist die Rezeptur da.

Beobachter: Das «Luzerner Bier» richtet sich nach eigenen Worten an ein «bieraffines Publikum». Was macht jemanden zum Bieraffinen?
Schurtenberger: Wenn man genug hat von all den austauschbaren, nahe am Wasser gebrauten Industriebieren. Und Lust hat auf gehaltvolles Bier mit charakteristischem Geschmack.

Beobachter: In aller Munde sind zurzeit die Craft-Biere, bei denen teils wild mit den Zutaten experimentiert wird. Ist beim Bier alles erlaubt?
Schurtenberger:
Offenbar schon! Wir finden aber, ein Bier sollte nur die traditionellen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe enthalten – wie es das Reinheitsgebot vorschreibt. Damit kann in einem breiten Geschmacksspektrum gebraut werden. Das interessiert uns mehr als ausgefallene Zutaten.

Beobachter: Ihr ultimativer Tipp: Wo und wie schmeckt das Schnitter am besten? Im Luzerner Nebel?
Schurtenberger: Würde ich nicht empfehlen – ungemütlich. Lieber drinnen an der Wärme zu einem feinen Wildgericht.