Zwanzig Kirchen und Kapellen gab es auf dieser Insel von 4,5 Kilometer Länge und 1,5 Kilometer Breite. Nur drei sind übriggeblieben, aber was für welche! Etwa die St.-Georg-Kirche an der Ostspitze. Aussen schlicht, innen ein monumentaler Bilderzyklus mit Szenen aus dem Evangelium. Sorgfältig restauriert, ist der 1000 Jahre alte Schatz der Kern des Vermächtnisses herausragender europäischer Baukunst – und der Grund dafür, dass das Ensemble der drei mittelalterlichen Kirchen auf der Reichenau zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

Das zu Deutschland gehörende Eiland im Bodensee war unbewohnt, bis im Jahr 724 Wanderbischof Pirmin ein Kloster gründete. Von hier aus wollte er die Alemannen zum christlichen Glauben bekehren. Nach und nach gewann das Kloster an politischer Macht, seine Äbte hatten als Kanzler, Gesandte und Gelehrte europäische Bedeutung.

Der Einfluss ist weg, aber der Glanz ist geblieben. Am besten erkunden kann man den Schatz, den Reichtum und die Schönheit der Reichenau per Velo. Ob man eins mitbringt oder vor Ort für ein paar Euro mietet, ein markierter Rundweg führt auf nahezu autofreier Route zu allen Sehenswürdigkeiten der Insel – selbst bei gemächlichem Tempo reicht dafür ein halber Tag. Vorbei geht es an Schilfgürteln, Kunsthandwerksläden, Fischräuchereien und vor allem an Salatköpfen in Reih und Glied. Denn die Reichenau ist eine Gemüsekammer: 90 Familienbetriebe ernten jedes Jahr 12'000 Tonnen Radieschen und Kohlrabi, Broccoli und Tomaten – alle paar hundert Meter kann man frisches Gemüse kaufen.

Auch wenn die Reichenau keine Insel mehr ist – 1838 verband man sie mit dem Festland –, das Insel-Feeling ist geblieben. Alles scheint gemächlicher abzulaufen, das perfekte Umfeld für einen Kurztrip, kein Vergleich zum Rummel auf der benachbarten Blumeninsel Mainau. Die 3500 Insulaner haben ihre Bräuche erhalten – die Prozessionen und Reliquienverehrungen, die an die Glorie vergangener Tage erinnern.

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Quelle: Reinhard Eisele/Eisele-Photos
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Anreise: Mit dem Kursschiff ab Schaff­hausen, Stein am Rhein, Ermatingen oder Kreuzlingen (GA und Halbtax gültig) oder mit der Solarfähre ab Mannenbach. Mit dem Auto über Kreuzlingen/Konstanz, weiter Richtung Radolfzell und dann über den Damm zur Insel. Pass oder Identitätskarte nicht vergessen.

Veloverleih: Bei der Schiffsanlegestelle oder beim Bahnhof Reichenau (auf dem deutschen Festland). Veloweg rund um die Insel – im Gegenuhrzeigersinn sind die Boden­markierungen eindeutiger als in der Gegenrichtung. Unsportliche können auch mit dem «Inselbus» im 45-Minuten-Takt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten fahren.