Die Aufgabe von Fussballern auf dem Spielfeld besteht eigentlich einfach darin, das Runde ins Eckige zu befördern – und trotzdem kommen sie zuweilen auf abwegige Ideen. Zinédine Zidane etwa, Held der französischen Nationalmannschaft, streckte 2006 einen italienischen Gegner per Kopfstoss nieder. Uruguays Stürmer Luis Suárez biss 2014 einen Spieler in die Schulter, der Chilene Gonzalo Jara steckte einem Gegner im Sommer den Finger in den Hintern.

Die meisten der gut 60 000 Fünf- bis Zehnjährigen, die in der Schweiz jedes Wochenende auf dem Fussballplatz stehen, sind da anders. Sie wollen meist einfach nur Fussball spielen. Das Problem sind die Eltern – die wollen siegen. Und führen sich so unmöglich auf, dass der Innerschweizer Fussballverband (IFV) seinen Vereinen für diese Saison empfohlen hat, Eltern bloss noch mit einem Mindestabstand von drei Metern an die Seitenlinie herankommen zu lassen.

«Eltern weg vom Spielfeldrand», lautet der Slogan; ein Band soll die ­elternfreie Zone markieren. Denn: «Viele verstehen den Unterschied zwischen richtigem und falschem Unterstützen nicht», heisst es im IFV-Konzept. Eher falsch war, was sich der ­Vater eines Ersatztorhüters im Juni bei einer Juniorenpartie in Luzern leistete: Er schlug dem Trainer die Nase blutig, weil dieser den Sohn nicht spielen liess.

«Auswechseln, die Pfeife!»

Solche Vorkommnisse ereignen sich mit unschöner Regelmässigkeit. Eltern gehen auf Trainer los, auf Schiedsrichter, auf andere Eltern, auf Kinder gar. Vor zwei Jahren berichtete die «Thurgauer Zeitung» von einem Vater, der an einem lokalen Kinderturnier das Spielfeld betreten, den sechsjährigen Goalie der einen Mannschaft an die Hand genommen und dem Trainer zugerufen hatte: «Auswechseln! Der hält ja nichts, die Pfeife.» Kein Wunder, ist der Ostschweizer Fussballverband dazu übergegangen, eine elternfreie Zone an der Seitenlinie nicht bloss zu empfehlen, sondern sogar vorzuschreiben.

Für Sportpsychologen ist der Fall klar: Eltern durchleben ein «stellvertretendes emotionales Erlebnis», wenn sie eine Partie verfolgen. Direkt ins Spiel können sie nicht eingreifen, deshalb kommt es zu Affekthandlungen.

Laut einer Studie der Sporthochschule Köln sind das zwar Einzelfälle – die meisten Eltern zählen zum «ruhigen Typ». Doch diese Einzelfälle können es in sich haben: Unter Umständen bringen sie Kinder dazu, die Un­arten auf dem Spielfeld zu kopieren. Da will man sich gar nicht vorstellen, wie die Väter Zidane, Suárez und Jara sich am Spielfeldrand aufgeführt haben.