Beobachter: Weshalb soll ein Kind in eine private Fussballschule und nicht in einen der 1'400 Schweizer Fussballvereine?
Oliver Rüttimann: Es soll nach Möglichkeit beides tun. Die privaten Anbieter wollen und können die Vereine nicht ersetzen, sondern sind eine Ergänzung, um einem Kind zusätzliche fussballerische Fertigkeiten zu vermitteln. Für Einsteiger sind die Privattrainings auch ein Testfeld, um herauszufinden, ob der Fussball der richtige Sport für sie ist. Und immer mehr Vereine sind von der wachsenden Nachfrage überfordert, da braucht es andere Angebote. Kinder, die Sport treiben wollen, aber nicht können - das darf doch nicht sein!

Beobachter: Tatsache ist aber auch: Training bei Privaten kostet wesentlich mehr als Training im Verein. Ist es auch wesentlich besser?
Rüttimann: Neu erfunden wird der Fussball von niemandem. Bei der Trainingsgestaltung gibt es aber schon Qualitätsunterschiede. Ein wesentlicher Faktor ist das Betreuungsverhältnis. Im Verein hat es ein Trainer unter Umständen mit 20 und mehr Junioren zu tun - für ihn steht das Team als Ganzes im Vordergrund, der individuellen Förderung sind zwangsläufig Grenzen gesetzt. Professionelle Anbieter achten darauf, die Gruppen klein zu halten, um gezielt auf den einzelnen Spieler einzugehen, unabhängig davon, wie viel Talent vorhanden ist. So macht ein Kind schneller Fortschritte und gewinnt Selbstvertrauen.

Beobachter: Was muss in diesem Alter in erster Linie geschult werden?
Rüttimann: Technik, Ballführung, Beweglichkeit, Koordination - letztlich geht es um die Körperkontrolle, der wichtigste Faktor im Fussball überhaupt. Das ist die Basis, auf die als ältere Junioren und Juniorinnen, ab 12, 13 Jahren, die Schulung der physischen und taktischen Fähigkeiten gestellt werden kann.

Beobachter: Wie können die Eltern ihren fussballversessenen Sprösslingen helfen?
Rüttimann: Indem sie dasselbe tun wie ein guter Trainer: Nicht herumschreien, wenn etwas schiefgelaufen ist, sondern immer nach vorne schauen, das Kind aufbauen, es motivieren. Ein Kind darf nie mit einem schlechten Gefühl vom Fussballplatz gehen, sonst haben wir etwas falsch gemacht.

Beobachter: Worauf kommt es beim Training mit Kindern besonders an?
Rüttimann: Kinderfussball ist eine eigene Sportart. Einfach die Übungen aus dem Junioren- oder Erwachsenenfussball «herunterzukopieren» bringt gar nichts. Zum Aufwärmen sollen Siebenjährige nicht in Reih und Glied laufen und mit den Armen kreisen, sondern Fangis oder ein Reaktionsspiel machen, bei dem sie auch mal lachen können. Und sie sollen nicht öde Runden um den Platz rennen, sondern müssen während 90 Prozent des Trainings einen Ball am Fuss haben. Kinderfussballer müssen Spass haben, um etwas lernen zu können.

Quelle: Stephan Rappo