Die Verpackung der Himbeerroulade liest sich wie das Fachbuch eines Lebensmittelchemikers: Säureregulator, Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Verdickungsmittel, Aromen und weitere 18 Zutaten finden sich im 330 Gramm schweren Gebäck. «Als ich das sah, erinnerte ich mich wehmütig an die hausgemachte Himbeerroulade meiner Schwiegermutter», sagt Esther Kappeler, 33. «Das war der Moment, in dem ich mich für einen Kochkurs entschied.»

Es gibt viele Gründe, eine Kochschule zu besuchen. Seit Esther Kappeler selber kocht, braucht sie rund ein Drittel weniger Geld für Lebensmittel, da Frischprodukte im Vergleich zu Fertiggerichten deutlich günstiger sind. Auch hat man beim Selberkochen die Kontrolle über Herkunft und Qualität der verwendeten Inhaltsstoffe – vor allem für Nahrungsmittelallergiker ein lebenswichtiger Vorteil.

Zudem ist Kochen ein kreativer und sehr sinnlicher Akt. Monika Lerf, Kochlehrerin am Inforama in Hondrich BE, ist deshalb überzeugt: «Wenn jeder Erwachsene kochen könnte, hätten wir weniger Ernährungsprobleme und weniger Zivilisationskrankheiten.» Zwar hätten fast alle während der Schulzeit einmal die Grundlagen gelernt. «Doch vielen fehlt ganz einfach die Übung.»

Die Wahl eines Kurses will allerdings gut überlegt sein (siehe «Das Rezept für einen erfolgreichen Kochkurs»). Viele Angebote richten sich an ganz spezifische Zielgruppen. Anfängerkurse zum Beispiel dauern meistens einen ganzen Tag oder mehrere Abende. Die Themen erstrecken sich vom richtigen Einkauf über die produktgerechte Lagerung bis zu den wichtigsten Kochtechniken.

Das Publikum besteht mehrheitlich aus jüngeren Frauen, die ihren ersten Haushalt oder bald eine Familie gründen wollen. Auch Männer sind gut vertreten – viele davon sind verwitwet oder geschieden und deshalb motiviert, mehr als ein Spiegelei oder Tomatenspaghetti zubereiten zu können. Gewisse Kurse richten sich sogar ausschliesslich an Männer.

Themenkurse sind nichts für Anfänger
Anfängerinnen und Anfänger sollten eher einen Kurs besuchen, als auf eigene Faust nach Kochbuch zu lernen. «Denn die Kursleiterin kann sofort eingreifen, wenn sich Fehler einschleichen, die sich später nur schlecht korrigieren lassen», so Lerf. Ausserdem könnten unsichere Teilnehmende immer wieder nachfragen, «und niemand braucht sich zu blamieren, denn die Kursleiterin ist der einzige Profi».

Eine zweite Kategorie sind die so genannten Themenkurse mit Titeln wie «Einmachen», «Marokkanische Küche» oder «Mezze». Sie richten sich in erster Linie an Menschen, die unter Gleichgesinnten neue Impulse und Rezepte suchen. Gerade für Vielbeschäftigte ist es äusserst schwierig, sich im Alltagsstress etwas Besonderes einfallen zu lassen. «Solche Kurse sind oft mit ‹Degustieren und Probieren› ausgeschrieben», sagt Monika Lerf. «So wissen die Interessenten gleich, dass sie eine Vielzahl von Ideen mit nach Hause nehmen können.»

Blutige Anfänger würden sich in einem solchen Kurs schwer tun, denn die meisten Teilnehmenden sind routiniert und schnell. Frauen sind hier die Mehrheit, Männer eher selten – ausser es handelt sich um klassische Männerkurse wie «Grillieren». Das Altersspektrum reicht von 20 bis 70 Jahren; viele kommen zu zweit – Mütter und Töchter oder Freundinnen.

Solche Kurse dauern in der Regel drei bis vier Stunden an einem Abend, weshalb die eigentliche Kochzeit relativ kurz ist. Denn meistens erfolgt zu Beginn einer Lektion eine ausführliche Warenkunde mit Kommentaren zu den einzelnen Rezepten: Was ist der Unterschied zwischen schwarzem Kümmel und Kreuzkümmel? Wo sind die besten Gewürze zu den tiefsten Preisen zu finden? Im Weiteren kommen verschiedene Tipps und Tricks der Profis hinzu. Und am Schluss werden die zubereiteten Speisen im gemeinsamen Kreis probiert und diskutiert.

«Gerade nach den Sommerferien boomen Kurse zu Themen wie marokkanische oder griechische Küche», sagt Susanne Vögeli, Besitzerin der Kochschule Cookuk in Aarau. Wer die in den Ferien gegessenen Gerichte daheim nachkocht, gewinnt rasch Abstand vom Alltag – und stärkt dank mediterraner Ernährung mit Obst, Gemüse, Salaten und Olivenöl das Herz-Kreislauf-System. Generell gilt: Je abwechslungsreicher eine Küche, desto eher deckt sie den Bedarf an allen Nährstoffen.

Mehrgänger mit amourösem Mehrwert
Die dritte Gruppe von Kochkursen spricht Personen an, denen das gemeinsame Essen mit anderen – unbekannten – Menschen wichtig ist. Sie kochen in lockerer Atmosphäre ein mehrgängiges Gericht und geniessen anschliessend den Abend in aller Ruhe bei einem Glas Wein und anregenden Tischgesprächen.

«Solche Kurse erkennt man meistens am Wort ‹Menü› im Titel», sagt Beate Widmer, Kochschulbesitzerin in Ittigen BE. Die Kurse werden sowohl von Männern wie Frauen besucht, das Altersspektrum reicht von 18 bis 80 Jahren. Viele kommen, weil sie hier für denselben Preis besser essen können als in einem Restaurant. «Und», hat Beate Widmer beobachtet, «an solchen Anlässen hat sich schon das eine oder andere Pärchen gefunden.»

Quelle: Jupiterimages Stock-Kollektion