Der Kaffeehersteller Nespresso gibt sich umweltfreundlich. Die Kaffeekapsel sei zu 100 Prozent wiederverwertbar, steht auf der Homepage. Beim Recycling der Kapselhülle aus Aluminium könne im Vergleich zur Erstherstellung 95 Prozent der Energie gespart werden. Die angeblich positive Ökobilanz ist aber geheim.

Markus Ott, Biologe und Dozent für Ökologie, hält das für billige Werbung. «Wenn die Sorge um die Umwelt ein zentrales Wer­beargument ist, muss dies mit einer Ökobilanz belegt werden», sagt er. «Sonst ist das unlauterer Wettbewerb.»

Gemäss Recherchen des Beobachters hat Nespresso sehr wohl eine Ökobilanz erstellt, hält sie aber «aus Konkurrenzgründen» unter Verschluss. Auf die Frage, wie viel Energie für Herstellung und Entsorgung von 100 Kapseln nötig ist, ant­wortet Pascal Hottinger, Geschäftsleiter von Nespresso Schweiz: «Diese inte­ressante Frage können wir so bislang noch nicht beantworten.» Die Antwort auf diese Frage wäre aber der Kern einer Öko­bilanz. Nespresso weist dafür gebetsmühlenartig auf die Rück­laufquote der Kapseln von 60 Prozent hin. «Dies reicht noch lange nicht für eine positive Ökobilanz», ärgert sich Markus Ott.

Mit den angeblichen 95 Prozent Energieersparnis beim Recycling ist Nespresso wohl zu optimistisch: Selbst bei der Wiederverwertung eines reinen Alublechs werden laut Empa nur 83 Prozent der Ener­gie gespart. Die Nespresso-Kapsel muss zudem von Kaffeerückständen befreit werden.