Die Kleinbasler Dreirosenanlage müsste eigentlich ein Problemfall sein: In den angrenzenden Quartieren leben zur Hälfte Ausländer, die beiden Wohngebiete weisen die höchste Arbeitslosenquote auf, die tiefsten Einkommen, viele Sozialhilfeempfänger, kaum Grünflächen, die dichteste Besiedlung im deutschsprachigen Raum – nicht einmal in Berlin finden sich so dicht besiedelte Gebiete. Doch wenn es um den Park unter der Brücke geht, beginnt sogar die Polizei zu schwärmen. 

«Kein Ort für Dealer»

Wäre die Anlage nicht so top ausgestattet und piekfein herausgeputzt, man wähnte sich in New York oder Kapstadt: Afrikaner spielen Basketball, Rastafaris kiffen, Jungs skaten, Secondos stählen ihren Oberkörper, Mädchen machen Selfies, brasilianische Grossfamilien grillieren.

 «Der Park spielt in der obersten Liga», sagt Community-Polizist Lukas Faulstich. Es gebe hier kaum Sicherheitsprobleme, und die Nutzer seien diszipliniert. «Natürlich gibt es je nach Mondstand Pappenheimer, die nicht so tun, wie sie sollten, aber das sind Bagatellen.» Dies sei aber kein Zufall: Bei der Polizei sind zwei sogenannte Platzhirsche für die Anlage zuständig, die regelmässig vorbeischauen. Die Stadtgärtnerei pflegt intensiv, und das Jugendzentrum im Brückenkopf kümmert sich um die Jugendlichen.

Und dann ist da noch George: Der bärtige Obdachlose liest und schläft oft unter der Brücke. Sichtet er im Park Drogendealer, meldet er sie der Polizei. «Der Kontakt mit George ist absolut notwendig», so Faulstich. Der Park sei kein Ort für Dealer. Auch George dürfte eigentlich nicht hier schlafen. Aber: «Er stört ja keinen.»

«Im Park geht es gelassen zu und her», sagt Sozialarbeiterin Malika Abd’Rabbou, «die Leute sind unkompliziert und offen.» Sie ist für die mobile Jugendarbeit oft hier unterwegs. Die Dreirosenanlage sei einer der belebtesten Parks in Kleinbasel. «Viele Eltern im Quartier haben weder Zeit noch Geld, um ihre Kinder zum Ballett oder zum Geigenunterricht zu fahren.» Zu Hause haben sie oft wenig Platz. Im Park können die Jugendlichen kostenlos ihre Freizeit verbringen. «Und wenn Menschen sich mit einem Ort identifizieren, tragen sie ihm auch Sorge.»

Im Park geht es gelassen zu und her.

Quelle: Hanna Jaray
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Quelle: Hanna Jaray

Parkbesucher im Portrait

Fatima und Haider flohen aus Afghanistan, sie sprechen kein Deutsch. Sie sind seit über 50 Jahren verheiratet – er ist ein Spassvogel, sie schweigt und lächelt. Sie sei traumatisiert und könne nicht über ihre Geschichte reden, sagt Freundin Susanne, die mit ihnen im Park picknickt. «Ausser mir und meinem afghanischen Mann haben sie hier niemanden.»

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Chillen mit Samuel und Joan

Samuel und Joan (rechts) wollen nur chillen. Mit den sportlichen Menschen hier habe er nichts zu tun, sagt Joan. «Ich bin meine eigene Atmosphäre.» Jeder bleibe hier in seiner Welt. «Aber wir wären nicht alle hier, wenn wir nicht alle gleich wären», so Joan. Er ist halb Spanier, halb Brasilianer, Samuel kommt aus Portugal. Die beiden machen ein Praktikum in einer Sozialfirma.

Quelle: Hanna Jaray

Street-Workout mit Raymond

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Raymond kann es nicht lassen. Eigentlich ist er verletzt. Auf seiner linken Schulter klebt ein blaues Band, das seine Muskeln stärken soll. «Ich ziehe das Street-Workout seit Monaten durch», sagt der gebürtige Chinese. Die Moves hat er sich über Youtube-Filme beigebracht.

Dembo ist Gambier, lebt aber seit 15 Jahren in der Schweiz. Er ist gelernter Baumpfleger. «Beim Klettern musst du stark und konzentriert sein», sagt er. Abends trifft er sich mit seinen afrikanischen Freunden im Park und hört Reggae.

Quelle: Hanna Jaray

Reggae hören mit Dembo

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Street-Workout mit Iga

Iga betreibt leidenschaftlich Street-Workout, an den Stangen und am Boden. Er ist freischaffender Stuntman und Filmer. Täglich fahren Polizisten vor und kontrollieren die Afrikaner. Iga nervt das. «Uns kontrollieren sie nie, wir sind ja weiss.»

Quelle: Hanna Jaray
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Acroyoga mit Clemens

Yogastellungen, gepaart mit akrobatischen Verrenkungen – das ist Acroyoga. Clemens hat gerade einen Workshop mit den weltbesten Acroyogis hinter sich, im Park macht er weiter. Der Basler ist Yogalehrer, Masseur und Fitnesscoach. 

Mathilda und Nathan haben sich soeben kennengelernt. Sie lebt in Frankfurt, er in Basel. Nathans Mutter Sandy ist vor vier Jahren aus Kamerun in die Schweiz gekommen. Ihr Sohn kam erst vor kurzem nach. Nun besucht er das Tagi, eine Kindertagesstätte im Quartier, seine Mutter macht derweil ihren Master in Sozialwissenschaften an der Uni Neuenburg.

Quelle: Hanna Jaray
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Spielen mit Mathilda und Nathan