Wohl jeder hat Kindheitserinnerungen ans Picknicken, an den Duft von Holunderblüten und Waldboden, feine Häppchen, lodernde Flammen. An Wurstzipfel, die Feuer fingen, oder an das Schlangenbrot, das aussen schwarz und innen noch teigig war - weil man als Kind nicht die Geduld hatte, auf die richtige Glut zu warten.

Dass Picknicken nicht nur eine Notlösung für Wandersleute und Bauern ist, haben die Menschen vor Jahrhunderten gemerkt. So richtig in Mode kam das Essen unter freiem Himmel jedoch erst im 18. Jahrhundert: Der französische Adel liess sich von Dienern regelmässig eine Waldlichtung oder grüne Wiese zum höfischen Salon umfunktionieren. Etwas später kam auch der englische Adel auf den Geschmack; der Picknickkorb mit Platz für Essen, Geschirr und Decke wurde im 19. Jahrhundert von den Briten erfunden. Auch die Globalisierung machte vor dem Picknick nicht Halt: Die Japaner etwa haben das Wort «pikunikku» in ihren Wortschatz aufgenommen.

Und die Schweizer? Denen fehlt leider oft das richtige Wetter, um das Körbchen zu packen. Und wenn es dann mal schön ist, fehlt es häufig an Ideen, was man fürs Vespern im Freien einkaufen und zubereiten könnte. Der Beobachter fragte Experten in Sachen Picknicken mit Kindern - nämlich einen Vater und eine Mutter -, was sie jeweils in den Picknickkorb packen.

Das muss sein:

Fisch, Mozzarella und Wurzelmännchen

Damian Oettli, 44, WWF-Projektleiter, drei Kinder im Alter von fünf, sieben und neun Jahren

  • Zum Schnabulieren: Mozzarellakügelchen, Dinkelcracker, geschälte und zu Sticks gerüstete Rüebli und Apfelschnitze.
  • Zum Braten auf dem Feuer: Frische Felchenfilets (Wildfang aus dem See), Peperonistreifen. Beides legt man, wenn die Glut gut ist, auf einen mitgebrachten faltbaren Grill.
  • Zum Trinken: Frisches Quellwasser, Leitungswasser mit einer ausgepressten Zitrone und einem Pfefferminzblatt.
  • Zum Spielen: Drachen. Oder eigene Spiele kreieren: Wer findet die meisten verschiedenen Gräser, Blumen, Käfer? Oder: Der Picknickausflug ist die Sommerwanderung eines Indianerstamms, der neue Jagdgründe sucht; ein rechter Indianer geht sicher nicht motorisiert auf die Pirsch, sondern schleicht sich zu Fuss an.
  • Das muss auch noch mit: FSC-Anzündhilfe aus Holzwolle, damit das Feuer auch rasch knistert. Und: Beim Picknick darf man von Hand essen wie die Wurzelmännchen, sprich: ohne Besteck und ohne Geschirr, dafür muss eine Rolle Haushaltpapier mit.
  • Meine schönste Picknick-Erinnerung: Frischer Alpkäse direkt vom Senn nach einer langen Wanderung im Wallis.

Das muss sein:

Salat, Kartoffeln und eine Flasche Schmämpis

Sarah Müller, 35, PR-Fachfrau, zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren

  • Zum Schnabulieren: Reis-, Teigwaren- oder Bulgursalat, gekochte Crevetten mit Dip, Gemüse wie Rüeblikrokodil (aus einer Karotte ein Krokodil schnitzen), Gurken und Cherrytomaten.
  • Zum Braten auf dem Feuer: Kinder lieben Kartoffeln in Alufolie, die sie in die Glut werfen und wieder ausgraben können. Und: Teig für Schlangenbrot mitnehmen, um Stecken wickeln und schön knusprig braten.
  • Zum Trinken: Kalter Tee, Wasser mit Pfefferminzblättern.
  • Zum Spielen: Die Kinder sind meist damit beschäftigt, Insekten zu beobachten, im Wald und auf der Wiese herumzurennen oder mit Stöcken Fechtkämpfe auszutragen. Da muss man eigentlich gar nichts mitnehmen. Wenn sie mal keine Spielidee haben, kann man ihnen Aufträge erteilen: Löwenzahn für die Meerschweinchen sammeln oder Holz für das Feuer.
  • Das muss auch noch mit: Champagner für die Eltern.
  • Meine schönste Picknick-Erinnerung: Ein romantischer Sommerabend am See, die Kinder beschäftigen sich selbst, und du kannst mit deinem Mann auf der Decke liegen, kuscheln und reden - und Champagner trinken.
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