Wir wollen uns dem General zu Fuss nähern. Unser Ziel ist Schloss Jegenstorf – von Herbst 1944 bis zum Kriegsende der Sitz Henri Guisans, Oberbefehlshaber der Schweizer Armee. Guisan, Seele des Widerstands im Krieg, war ein Volksheld. Ein Star. 300'000 Menschen erwiesen ihm vor 50 Jahren die letzte Ehre.

Einer solchen Figur möchten wir fit begegnen. Also steigen wir bereits in Zollikofen aus dem Zug. Das erste freundliche «Grüessech» eines Spaziergängers lässt uns bald die etwas seelenlose Umgebung vergessen. Vorbei gehts am Gymnasium Hofwil, schon stehen wir vor einem Kuriosum: dem ersten künstlichen Schwimmbad der Schweiz. Es hat auch mit einem General zu tun: Das Bad wurde 1823 erbaut, nachdem ein Zögling des Bildungsinstituts Hofwil, der Sohn eines bayerischen Generals, im Moossee ertrunken war. Das in Sandstein errichtete runde Bassin mit Badehaus hatte sogar einen Sprungturm und steht heute auf dem Gelände eines Golfplatzes.

Weiter gehts. Wir queren die Autobahn und blicken auf die auf der Kuppe dösenden Bauernhäuser Wiggiswils mit ihren typischen Krüppelwalmdächern. Voran über eine Ebene, durch einen Wald mit Tannen und Lärchen sowie einem hyperaktiven Specht. Die Äcker sind frisch gepflügt, sie sehen aus wie Toblerone-Tafeln aus Erde – und erinnern uns daran, was der General damals verteidigte. Und schon erblicken wir die ersten Häuser Jegenstorfs. Der «Löwen» hat zu, dann halt ab ins «Kreuz». Das Menü für 15 Franken. Es gibt Suppe, Salat, Schweinsragout und Kartoffelstock. Jetzt können wir gestärkt vor ihn treten, den Gentleman-General. 

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Quelle: Tomas Wüthrich

Schloss Jegenstorf befindet sich neben dem Bahnhof RBS an der Linie Bern–Solothurn.

Anreise: mit der Bahn von Bern (Achtung: RBS-Bahnhof) oder Solothurn her.

Mit dem Auto: A1 bis Ausfahrt Kirchberg ­respektive Schönbühl.

Wanderung: Ausgangspunkt Bahnhof Zolli­kofen, dann den Wanderwegweisern ­folgen: Buchsiwald – Waldegg – Gymnasium Hofwil – Chli Moossee – Wiggiswil – Eichleren – ­Jegenstorf. 1 Stunde 50 Minuten.

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Öffnungszeiten: Guisan-Sonderausstellung vom 8. Mai bis 10. Oktober. Dienstag bis Sonntag, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Eintritt: 7 Franken; Kinder bis 16 Jahre: 1 Franken.

Zu sehen sind Fotografien, Gemälde und das Generalabonnement (!) Guisans, alte Filmwochenschauen und natürlich seine Uniform mit Hut, Reitstiefeln, Degen und Dolch.

Lektüre: Markus Somm: «General Guisan. ­Widerstand nach Schweizerart»; Stämpfli-Verlag, 2010, 280 Seiten, Fr. 49.90.