Die ersten Surfer, die mit ihren Brettern die verschneiten Hänge der kalifornischen Rocky Mountains herunterrutschten, waren noch nicht an ihren Brettern befestigt es gab damals schlicht noch keine Snowboard-Bindungen. Auch Schweizer Pioniere wie etwa der Zürcher Micki Früh mussten ihre Bindungen noch selber basteln. Als Snowboardschuhe dienten damals noch Moonboots und einfache Wanderschuhe. Das änderte sich in den neunziger Jahren drastisch: Snowboarden wurde zum Massenphänomen, und die Sporthersteller brachten Jahr für Jahr neue und immer funktionalere Bindungen und Boots auf den Markt. Heute ist die Produktepalette so breit, dass selbst erfahrene Snowboard-Profis den Überblick verlieren. Weit über 300 verschiedene Bindungs- und Schuhmodelle werden in der kommenden Saison in der Schweiz erhältlich sein. Der ratlose Konsument hat die Wahl zwischen rund 70 Plattenbindungen, über 50 Step-in-Bindungen und rund 200 verschiedenen Soft-Bindungen. Dazu kommen die entsprechenden Schuhe.

Allerdings bleiben die technischen Revolutionen in dieser Saison aus. «Es bleibt mehr oder weniger alles auf dem Stand des Vorjahres», sagt Raphael Bisig, Konstrukteur bei der Zuger Boarder-Factory, «lediglich an den Details ist gefeilt worden.» Das allerdings mit Erfolg. Dabei profitieren auch die unteren Preissegmente deutlich vom Konkurrenzkampf unter den Herstellern. Musste der ambitionierte Hobby-Boarder vor zwei Jahren noch an die 400 Franken für einen wirklich guten Soft Boot hinblättern, bekommt er heute schon für unter 300 Franken vergleichbare oder sogar bessere Modelle. Selbst Hersteller, die sonst eher für hochpreisige Produkte bekannt sind, bieten heuer Boots zu moderaten Tarifen.

Die Schnittstelle zwischen Snowboarder und Brett ist voller Tücken und verlangt eigentlich die Quadratur des Kreises. Da man im Gegensatz zum Ski seitwärts auf dem Brett steht, muss der Schuh auch seitlichen Bewegungsspielraum bieten, zugleich aber abstützen. Viele Snowboarder beklagen sich entweder darüber, dass ihre Boots drücken oder aber dass diese zu wenig Halt bieten. Sind bei Soft-Bindungen die so genannten Straps (Halteriemen) allzu bequem, kann es sein, dass Ferse oder Zehen beim Kanten vom Brett «abheben» und es nur mit Verzögerung reagiert. Weniger bequeme Straps wiederum sorgen vielleicht für optimale Kraftübertragung und entsprechend sichere Steuerung. Aber der Spass am gut kontrollierbaren Brett geht schnell einmal vorbei, wenn harte Riemen das Blut absperren oder schmerzhafte Druckstellen verursachen.

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Gute Schuhe haben ihren Preis

Den perfekten Ausgleich zwischen Bequemlichkeit und sicherem Halt versprechen verschiedene Hersteller schon seit Jahren. Eingelöst ist dieses Versprechen bis heute nicht obwohl grosse Fortschritte zu verzeichnen sind. So freut sich etwa Snowboard-Fachmann Raphael Bisig vor allem, dass die Passform vieler Soft Boots dank verschiedensten Methoden deutlich verbessert worden ist. Innenschuhe, die durch Schauminjektionen oder Erhitzung der individuellen Fussform angepasst werden, verbessern die Passformen und verhindern Druckstellen an individuellen Problemzonen. Luftpolster und eine im Schuh integrierte Pumpe ermöglichen es bei einem Modell sogar, Sitz und Härte des Schuhs je nach Einsatzbereich zu verändern.

Solche Lösungen haben allerdings ihren Preis: Pro Stiefelpaar muss mit 400 bis 500 Franken gerechnet werden. Preisgünstiger sind Stützmanschetten am Innenschuh (für den besseren Fersenhalt) oder zusätzliche Schnallen am Schaft.

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Das leidige Problem mit drückenden oder wackligen Schnallen an der Bindung wäre eigentlich leicht zu beheben. Das ganze Geheimnis: Der Druck auf den Fuss muss auf eine möglichst grosse Fläche verteilt werden. Das wird am besten erreicht, wenn mehrere Riemen über das Ristpolster laufen oder noch besser die Riemen am Rand der Ristpolster befestigt sind.

«Schuh und Bindung müssen perfekt sitzen, dürfen aber nicht drücken» der Standardtipp für den Boot- und für den Bindungskauf ist immer noch leichter ausgesprochen als befolgt. Laut Raphael Bisig bleibt die Suche nach der perfekten Lösung eine Wissenschaft für sich. «Man muss einfach an- und ausprobieren, bis man irgendwann die bestmöglichen Boots und Bindungen gefunden hat.»