Orte, an denen Schreckliches geschehen ist - etwa Hinrichtungen oder Kriegshandlungen -, nehmen negative Informationen in sich auf. So sieht es zumindest die Pseudowissenschaft der Geomantie. Deshalb würden solche Plätze auch lange nach den Ereignissen negative, bedrückende Energie ausstrahlen.

Zentral ist dabei wohl vor allem das Wissen der Besucher um die Geschehnisse. Die Vorstellung, dass auf jenem Hügel ein Schafott stand, in diesem Haus ein Mord geschah, auf dem Galgenhügel zu Glarus Anna Göldin, die «letzte Hexe Europas», enthauptet wurde, kann Zartbesaiteten schon eine Gänsehaut bescheren. Auf www.ortederangst.de etwa findet sich eine Sammlung solcher Unorte: Ehemalige Heilanstalten, Irrenhäuser, auch eine angeblich vom Teufel verdammte französische Farm und eine Klosterschule werden dort mit Bildern der zerfallenen Gemäuer zu Orten des Grauens. Tatsächlich regt der Anblick eines Operationsraums aus den Vierzigern des letzten Jahrhunderts samt gekachelter Badewanne, bröckelndem Putz und blinden Fenstern die Phantasie an: Die Gedanken an urtümliche Behandlungsmethoden und Operationsgeräte, an die Leiden der Patienten, ja gar an Menschenversuche lassen einen auch ohne «negative Kraft» frösteln.

Die Geomantie verspricht Abhilfe: Orte der Kraft seien stetem Wandel unterworfen und würden nicht nur durch irdische und kosmische Energien beeinflusst, sondern auch durch Gedanken und Absichten von Menschen. Sakrale Bauten oder auch Pilgerwege sollen so höhere Energiewerte erreichen. Und Unorte könnten durch neue, positive Informationen gereinigt und positiv besetzt werden.

Viele Kraftorte, vor allem Tourismuszentren wie die Steinkreisanlage Stonehenge in England, sollen übrigens gefährdet sein: Menschen, die sich nicht für Esoterik interessieren oder eine Abwehrhaltung aufbauen, raubten dort die Kraft. Ihrer Schönheit tut dies - zumindest in den Augen jener Desinteressierten - keinen Abbruch.

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