Der Himmel, ein glatt geschrubbtes Blau. Links und rechts steile Berghänge. Lichter Lärchenwald bis fast ganz hinauf. Die kahlen Bäume wirken im meterhohen Schnee wie Bartstoppeln. Das Val Bever ist ein enges Tal, schattig, und deshalb eher etwas für den Spätwinter, wenn die Tage wieder länger werden.

Unser Weg führt uns zu Fuss vom Engadiner Dorf Bever in einer Stunde zum Gasthaus Spinas am Südportal des Albulatunnels, dem Lauf des Bächleins Beverin folgend. Die Stille ist einzigartig. Die Kälte beisst. Wir gehen schnell, um warm zu bleiben. Dann der erste Schritt hinein in die geheizte «Spinas»-Stube – ein Glücksgefühl!

Zur Zeit des Albulatunnelbaus lebten in Spinas bis zu 400 Leute. Es gab hier ein richtiges kleines Dorf, mit Wohnbaracken, Lebensmittelgeschäft, Wäscherei. Sogar eine kleine Schule für die Kinder der italienischen Bauarbeiter wurde geführt. Im ehemaligen Postbüro befindet sich heute das Gasthaus.

Wir nehmen das Bündnerplättli: Der Rohschinken, das würzige Salsiz vom Angusrind, das Bündnerfleisch, das herbe Birnenbrot und der Bergkäse stammen aus der Region. Alles schmeckt lecker, auch weil wir wissen, dass es sich um ein flüchtiges Glück handelt. Irgendwann werden wir wieder hinausmüssen. In die Kälte, die uns in die Finger beisst.

Quelle: Daniel Martinek
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Winterwanderweg: Die Route beginnt im Dorf Bever gegenüber dem Bahnhof (Wegweiser beachten) und führt zum Gasthaus Spinas Val Bever, wo es auch Übernachtungsmöglichkeiten gibt (www.spinasbever.ch). Für die vier Kilometer braucht es etwa 60 Minuten. Der Weg verläuft meist flach und ist sehr gut gespurt – er eignet sich auch für Familien mit kleinen Kindern. Im Engadin sind die Winterwanderwege rosafarben gekennzeichnet.

Anreise: Mit der Albulabahn von Chur nach Bever: Fahrplan www.rhb.ch. Die Albulabahn hält mehrmals täglich auch in Spinas.

Kutschenfahrt: Von Bever nach Spinas;Kontakt für Reservation: 078 806 58 09 oder 079 418 20 45 oder 081 852 49 45 (Bever Tourismus).

Val Bever im Sommer: Der Winterwanderweg heisst dann «Märliweg»: Einheimische Künstler setzen mit Skulpturen Märchen in Szene. An jeder der sechs Stationen gibt es zudem ein riesiges Märchenbuch, aus dem man vorlesen kann. Das Tourismusbüro in Bever verkauft das illustrierte Buch in normaler Grösse für 28 Franken: www.maerliweg.ch.