1. Home
  2. Geld
  3. Banken
  4. Lehman Brothers: Credit Suisse blockt weiter

Lehman BrothersCredit Suisse blockt weiter

Die CS lässt sich für ihre angebliche Milde gegenüber den Lehman-Opfern feiern. Aber hinter den Kulissen blockt sie die Forderungen ab. Zwei Beispiele.

Der Lichthof des CS-Hauptgebäudes am Paradeplatz in Zürich.
von

Es war eine gute Woche für die Credit Suisse: Die zwei Milliarden Reingewinn im ersten Quartal sowie das 50-Millionen-Zückerchen für Lehman-Opfer bescherten positive Schlagzeilen. Dass die CS jetzt 3700 statt 2000 Lehman-Opfer unter ihren Kunden teilweise entschädigen will, ist zwar eine gute Nachricht. Von einer «weitreichenden Einigung», wie es CS-Privatkundenchef Walter Berchtold nennt, ist die CS aber noch meilenweit entfernt.

Hinter den Kulissen sträubt sich die CS nämlich weiterhin mit Händen und Füssen gegen berechtigte Forderungen. Zum Beispiel Margaretha Bucher (Namen Betroffener geändert). Die 45-Jährige verkaufte 2006 all ihre Aktienfonds, um das Ersparte «ganz sicher» anzulegen, weil es ihren Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen sollte. Die CS-Beraterin empfahl ihr, praktisch ihr ganzes Vermögen in einem einzigen Lehman-Produkt anzulegen.

Bankenombudsmann Hanspeter Häni kritisiert: Maximal zehn Prozent sollten in einem einzigen Produkt angelegt sein; bei Bucher waren es 85 Prozent. Darum, so Häni, sollte sie mit rund 50'000 Franken entschädigt werden statt mit 36000 Franken, wie die CS offerierte. Doch die Grossbank bleibt auch nach Hänis Vermittlungsvorschlag stur. Bucher müsste ihre Forderung vor Gericht durchsetzen, doch: «Einen solchen Prozess kann ich mir nicht leisten», sagt Bucher.

Anzeige

CS hält Beweismittel zurück

Auch Marcel Gubler rennt bei der CS gegen eine Wand. Im November 2007 investierte er 100'000 Franken in ein Anlageprodukt, das ihm sein CS-Berater in einer E-Mail als «VOLL kapitalgeschützt» angepriesen hatte. Als er auf dieser Garantie bestand, beschied ihm die CS, gemäss «intern vorhandenen Unterlagen» sei er «über die Chancen und Risiken aufgeklärt worden». Gubler verlangte Einsicht in diese Unterlagen. Doch dies verweigert die CS – obwohl Gubler vom Datenschutzbeauftragten recht erhielt: Es gebe zwar firmeninterne Aufzeichnungen, die aus rechtlichen Gründen nicht herausgegeben werden dürften. Unterlagen zu einem Verkaufsgespräch gehörten aber sicher nicht dazu.

Doch die CS rückt die angeblichen Beweise nicht freiwillig heraus. Gubler könnte jetzt gerichtlich die Herausgabe verlangen, doch er zögert: «Allein gegen eine Grossbank vorzugehen ist kein Zuckerschlecken. Recht haben und recht erhalten ist eben nicht das Gleiche.»

Veröffentlicht am 28. April 2009