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Staatsgarantie bei PostfinanceKein Wort zum höheren Risiko

Bild: Die Schweizerische Post

In einer Mitteilung von März an ihre Kunden verschweigt Postfinance, dass Sparbatzen künftig weniger gut geschützt sind.

von Martin Müller

Für die Kundschaft ändert sich nichts, wir haben nur das Kleingedruckte kundenfreundlicher formuliert – so steht es sinngemäss in den Unterlagen, die Postfinance im März ihren knapp drei Millionen Kunden verschickte.

Was Postfinance dabei verschweigt: Sparbatzen sind inskünftig weniger gut geschützt. Die bisherige unbegrenzte Staatsgarantie fällt per 26. Juni 2013 weg. Dann tritt die neue Postgesetzgebung in Kraft, Post­finance erhält eine Banklizenz und wird ein Finanzinstitut wie jedes andere. Das heisst auch: Im Konkursfall sind nur noch 100'000 Franken pro Kundin, pro Kunde garantiert – eben wie bei fast jeder anderen Bank. Einzig für Kassenobligationen haftet während einer fünfjährigen Übergangszeit der Bund noch unbegrenzt.

«Das ist sehr stossend»

Beobachter-Leser haben das bereits vor einem Jahr erfahren (siehe Artikel «Postfinance: Mehr Risiko für Spargelder»), doch Postfinance unterschlägt die unbequeme Tatsache auch jetzt noch, wohl nicht zuletzt, weil sich viele Kunden gerade wegen der Staatsgarantie gegen eine gewöhnliche Bank und für Postfinance entschieden hatten.

Stattdessen suggeriert sie mit der Formulierung «Auch als AG gehört das Finanzinstitut der Schweizerischen Post und diese der Eidgenossenschaft», dass sich punkto Haftung nichts ändert. Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, findet das «sehr stossend». «Post­finance verschweigt, dass die Umwandlung in eine AG eine neue Denkart auslöst: Aus dem Service-public-Unternehmen wird eine gewinnorientierte Firma wie jede andere.»

Postfinance-Sprecher Marc Andrey weist die Kritik zurück. Man habe die Staatsgarantie in der Vergangenheit nicht als Werbeargument eingesetzt. Zudem habe die grosse Mehrheit der Kunden weniger als 100'000 Franken Vermögen bei Postfinance angelegt, darum ändere sich für sie nichts.

Veröffentlicht am 2013 M03 19