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Beobachter Extra «Risikofaktor Mann»: Editorial

Beobachter Extra «Risikofaktor Mann»: Editorial

von Urs Zanoni

Am Anfang stand die Idee, alle Artikel dieses Extras von Frauen schreiben zu lassen: Frauen beschäftigen sich mehr mit Gesundheit als Männer und wissen in der Regel mehr darüber. Doch alle (männlichen) Fachleute, die von dieser Absicht erfuhren, rieten heftigst davon ab. Ihr Argument: Männer lassen sich ohnehin nicht sagen, wie sie mit ihrer Gesundheit umzugehen haben von Frauen schon gar nicht. Nach längerem Hin und Her habe ich den Rat befolgt; nur der Artikel über Körperpflege stammt von einer Frau schliesslich wissen Frauen besser, wie gepflegt sie Männer haben wollen.

Tatsächlich meiden viele Männer Gesundheitsthemen ebenso hartnäckig wie Herd und Staubsauger. Das hat vor allem mit ihrem Selbstbild («Helden kennen keine Schmerzen») und mit ihrem Rollenverständnis zu tun («Der Jäger und Sammler kann es sich nicht leisten, auf der Jagd nach dem Erwerb Pausen einzulegen»). Die Folgen sind fatal: Bis zum Alter von 65 Jahren sterben Männer fünfmal häufiger als Frauen an einem Herzinfarkt, dreimal so oft durch Verkehrsunfälle, beinahe dreimal häufiger durch Selbstmord und doppelt so oft an einer Leberzirrhose «Mann sein» als Risikofaktor.

Dieses Beobachter-Extra versucht, dem Bild des Helden, Jägers und Sammlers einige Schattierungen beizufügen. Indem es zum Beispiel Männer porträtiert, denen es im Verbund mit ihren Partnerinnen gelingt, Beruf und Familie gleichwertig zu vereinbaren. Oder indem es zeigt, dass Workaholics nicht nur sich selber schaden, sondern auch dem persönlichen Umfeld und dem Unternehmen.

Doch keine Bange, liebe Männer, in seinem Artikel stellt sich Beobachter-Experte Koni Rohner dezidiert auf eure Seite in der Hoffnung auf weiblichen Widerspruch: «Die gängige Meinung in unserer Gesellschaft ist, dass Männer alle Privilegien und Vorteile hätten und die Frauen nach wie vor unterdrücken würden. Männer sollen angeblich mehr Macht, mehr Freiheit und mehr Glück im Leben haben. Das ist ein Mythos, der seltsamerweise von Frauen wie Männern akzeptiert wird. Ich ganz persönlich kenne keinen wirklichen Patriarchen.» Wie gross ihre Machtgier tatsächlich ist, können Männer beim Machtspiel in der Heftmitte herausfinden Frauen selbstverständlich auch.

Schliesslich ein schwacher Trost für alle schuldgeplagten Männer: «Wenn Hausarbeit als rechtmässige Arbeit anerkannt würde, wären Generationen von Hausfrauen süchtig», schreibt die US-Psychologin Marilyn Machlowitz. Wenigstens hier herrscht Gleichstellung.

PS: Alle Quellen für weitere Informationen Fach- und Beratungsstellen, Buchtipps, Internetadressen finden Sie gesammelt auf den Seiten «Buchtipps», «Links», «Beratungsstellen» (siehe rechte Spalte).

Veröffentlicht am 2001 M02 13

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